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	<title>Klein-Knott Ronald &#8211; Hofheim/Kriftel-Newsletter</title>
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	<description>Wissen, worüber die Leute hier reden</description>
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	<title>Klein-Knott Ronald &#8211; Hofheim/Kriftel-Newsletter</title>
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		<title>Vorderheide II: SPD steigt aus! Und jetzt die Rechnung bitte</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Thomas Ruhmöller]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 07 Jan 2022 16:39:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Grassel Dr. Barbara]]></category>
		<category><![CDATA[Henninger Michael]]></category>
		<category><![CDATA[Klein-Knott Ronald]]></category>
		<category><![CDATA[Kurz Alexander]]></category>
		<category><![CDATA[Tulatz Alexander]]></category>
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					<description><![CDATA[Vor drei Wochen hat ein Gericht den Bebauungsplan Vorderheide II wegen grober Mängel einkassiert. Hofheims CDU deutete an, trotzdem an einer Wohnbebauung in dem Vogelschutzgebiet festhalten zu wollen. Doch jetzt hat sich die SPD-Fraktion entschieden, das Projekt nicht weiter verfolgen zu wollen. Damit kippt die bisherige Mehrheit im Stadtparlament: Der Bebauungsplan Vorderheide II ist endgültig Makulatur. Dafür taucht ein ganz anderes Problem auf: Was kostete der ganze "Spaß" eigentlich? Eine Stadtverordnete hat bereits die Stadtverwealtung angeschrieben: Sie möchte die Rechnungen einsehen. ]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p><strong>Die Pläne für das Baugebiet Vorderheide II sind nur noch Makulatur –  endgültig! Denn Hofheims SPD-Fraktion hat sich darauf verständigt, aus dem umstrittenen Projekt auszusteigen. Ein Gericht hatte den Bebauungsplan Anfang Dezember für null und nichtig erklärt, aus der CDU waren jedoch sofort wieder Überlegungen laut geworden, wie man das geplante Wohnviertel doch noch retten könne. Aus und vorbei: Ohne SPD gibt&#8217;s im Stadtparlament keine Mehrheit mehr dafür. Dafür tauchte eine neue Frage auf: Was hat uns die ganze Sache eigentlich gekostet? Erste Berechnungen lassen erwarten: Es wird teuer für Hofheim!</strong></p>



<p>Es war der <strong>Polit-Flop </strong>des letzten Jahres, wenn nicht des <strong>Jahrzehnts</strong>. Geleistet hat ihn sich <strong>Hofheims</strong> <strong>CDU</strong>, zeitweilig mit starkem Beistand der <strong>SPD</strong>, zuletzt mit freundlicher Unterstützung von <strong>FDP</strong> und <strong>FWG</strong>: Das geplante <strong>Villen-Viertel Vorderheide II</strong>, für das man bereit war, <strong>herrliche Natur und wertvolle Streuobstwiesen mit seltenen Tiervorkommen zu opfern</strong> – dieses Vorhaben war MItte Dezember <a href="https://hk-newsletter.de/2021/12/15/vorderheide-ii-gerichtsentscheidung/">von einem Gericht gestoppt worden</a>:</p>



<p>Der 3. Senat des <strong>Hessischen Verwaltungsgerichtshofs</strong> hatte den <strong>Bebauungsplan Nr. 134</strong> für &#8222;unwirksam&#8220; erklärt. All die aufwendige Planung, dazu das jahrelange juristische Gezerre – <strong>alles für die Katz&#8216;?</strong></p>



<p>Einige <strong>Kommunalpolitiker</strong> wollten es nicht wahrhaben: Überlegungen wurden bekannt, wie die Baupläne doch noch <strong>umgesetzt</strong> werden könnten. Doch nun dürften diese <strong>Träume</strong> endgültig geplatzt sein: Die <strong>SPD-Fraktion</strong> will nicht mehr mitmachen. Und ohne die SPD gibt&#8217;s für Vorderheide II <strong>keine Mehreit </strong>mehr im Stadtparlament.</p>



<p>Das ganze Projekt ist damit endgültig gescheitert. Faktisch tot.</p>



<div class="wp-block-image is-style-default"><figure class="alignright size-full is-resized"><img fetchpriority="high" decoding="async" src="https://hk-newsletter.de/wp-content/uploads/2021/12/Gartenrotschwanz2.jpg.jpeg" alt="Vorderheide II" class="wp-image-15149" width="321" height="216"/><figcaption>Dieser Piepmatz, der Gartenrotschwanz, wird im OVG-Urteil ausdrücklich erwähnt: Für sein Überleben hat die Stadt nicht genug Sorge getragen.</figcaption></figure></div>



<p>Noch liegt das <strong>Urteil</strong> im Wortlaut nicht vor; die Pressemitteilung des Gerichts aber ließ erkennen, dass es <strong>deutlich</strong> <strong>und</strong> <strong>unmissverständlich</strong> formuliert sein dürfte: Es handele sich bei Vorderheide II um ein <em>&#8222;faktisches Vogelschutzgebiet&#8220;</em>, die vorgesehenen Ausgleichsmaßnahmen genügten <em>&#8222;nicht den gesetzlichen Anforderungen&#8220;</em>, die <em>&#8222;regionalplanerischen Wohndichtevorgaben&#8220;</em> würden deutlich unterschritten und ließen damit <em>&#8222;den gebotenen sparsamen Umgang mit Grund und Boden vermissen&#8220;</em>.</p>



<p>Seit die <strong>Freudengesänge</strong> <strong>der</strong> <strong>Naturschützer und ihrer Freunde</strong> wie auch das <strong>Wehklagen</strong> <strong>der</strong> <strong>Bau-Investoren und ihrer Unterstützer</strong> etwas leiser geworden sind, zeichneten sich <strong>drei</strong> <strong>mögliche</strong> <strong>Szenarien</strong> für das weitere Vorgehen ab:</p>



<p><strong>Szenario 1: </strong>Die Stadt nutzt ihre <strong>letzte</strong> <strong>juristische</strong> <strong>Chance</strong> und klagt vor dem <strong>Bundesverwaltungsgericht</strong> in Leipzig dagegen, dass keine Revision zugelassen wurde. So ein Verfahren dauert lange, <strong>erfahrene</strong> <strong>Juristen</strong> schätzen zudem die <strong>Erfolgsaussichten</strong> für die Stadt als <strong>sehr gering</strong> ein. </p>



<p><strong>Szenario 2: </strong>Die Stadt könnte den (ungültigen) <strong>Bebauungsplan</strong> durch einen <strong>neuen</strong> <strong>ersetzen</strong>. Sie plant die <strong>Wohnhäuser</strong> so, wie man heutzutage baut:<strong> quadratisch, praktisch, groß</strong> – und <strong>dicht an dicht. </strong>Das notwendige <strong>planerische Verfahren</strong> dürfte allerdings einige Jahre dauern, und es dürfte zudem schwierig werden, die <strong>naturschutzrechtlichen Auflagen</strong> zu erfüllen. </p>



<p><strong>Szenario 3: </strong>Die Stadt gibt auf. <strong>Sie verzichtet</strong> auf weitere (teure) Rechtsmittel, <strong>anerkennt</strong> das breite Bürgerinteresse und <strong>schützt</strong> die wertvolle Natur.</p>



<p>Die Verantwortung für das weitere Vorgehen liegt bei der Stadtverordnetenversammlung. Da hat sich in den letzten Monaten einiges geändert. </p>



<h2 class="wp-block-heading">Vorderheide II: Jetzt hat die Opposition die Mehrheit</h2>



<p>Bis vor einem Jahr bildeten <strong>CDU, SPD, FWG und FDP</strong> eine große Koalition: Mit übergroßer Mehrheit konnten sie alle Vorhaben <strong>durchsetzen</strong> (oder auch <strong>ablehnen</strong>) – und so auch ihre Pläne für Vorderheide II weiter verfolgen.</p>



<p>Nach den<strong> Wahlen im März letzten Jahres</strong> stieg die SPD <a href="https://www.spd-hofheim.de/2021/09/23/spd-hofheim-beendet-die-koalitionsverhandlungen/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">aus der Koalition</a> aus. Seither regiert in Hofheim eine <strong>Minderheitskoalition</strong>: CDU (15 Mandate), FDP (3) und FWG (4) stellen zusammen <strong>22</strong> <strong>Stadtverordnete</strong>.</p>



<p>In der <strong>Opposition</strong> sitzen die Grünen (11 Mandate), die &#8222;Bürger für Hofheim&#8220; (4), die Linken (2) und jetzt eben auch die SPD (6) – zusammen bringen sie es auf <strong>23</strong> <strong>Stadtverordnete</strong>.</p>



<p>Im Fall Vorderheide II kommt für <strong>CDU/FDP/FWG</strong> hinzu: Stadtverordnete, die in dem Gebiet ein Grundstück besitzen, dürfen an Abstimmungen wegen <strong>Befangenheit</strong> nicht teilnehmen. In der Regierungskoalition sollen aktuell angeblich <strong>vier Stadtverordnete</strong> befangen sein.</p>



<p>Das hat zur Folge: Wenn sich die <strong>Oppositionsfraktionen</strong> im Stadtparlament einig sind, können sie über die <strong>Zukunft</strong> von Vorderheide II entscheiden. </p>



<p>Es deutet alles darauf hin, dass das jetzt geschieht.</p>



<p><strong>Grüne</strong> und <strong>Linke</strong> waren von Anfang an <strong>gegen die Zerstörung</strong> der wertvollen Streuobstwiesen. Die <strong>BfH</strong> war anfangs für eine Bebauung, hat sich aber nach den Wahlen neu aufgestellt und <strong>gegen eine Bebauung</strong> ausgesprochen.</p>



<p>Die <strong>SPD</strong> ist das Zünglein an der Waage. Vermutlich hatte<strong> CDU-Fraktionschef Alexander Kurz</strong> potentielle Überläufer im Visier, als er nach dem Urteil über die FAZ verlauten ließ: <em>&#8222;Wenn in Hofheim langfristig noch bezahlbarer Wohnraum bereitstehen soll, wird dies nicht ohne die Ausweisung neuer Baugebiete möglich sein, und das heißt, dass die Bedürfnisse der Menschen bei der Güterabwägung möglicherweise stärker berücksichtigt werden sollten.“</em></p>



<p>Bezahlbarer Wohnraum – das klingt in den Ohren von Sozialdemokraten wie der Gesang der Sirenen. Doch der<strong> kalt-berechnende Zynismus</strong> in den Worten des CDU-Mannes war diesmal <strong>unüberhörbar</strong>: In Vorderheide II hat die CDU <strong>niemals</strong> <strong>bezahlbaren Wohnraum</strong> bauen wollen, ganz im Gegenteil, sie plante ein Villen-Viertel. Und bei der <strong>Güterabwägung</strong> haben Hofheims Christdemokraten bisher weniger die Bedürfnisse &#8222;der Menschen&#8220; berücksichtigt als vielmehr die<strong> Bedürfnisse der Investoren</strong>.</p>



<p>Vor diesen <strong>Karren</strong> will sich die SPD offenbar nicht länger spannen lassen: Eine fraktionsinterne Abstimmung habe ergeben, dass man die Bebauung von Vorderheide II nicht weiter verfolgen wolle. Das Thema werde in Kürze auch noch im <strong>Parteivorstand</strong> besprochen, <em>&#8222;ich denke aber, dass es da keine Überraschungen geben wird&#8220;</em>, sagt <strong>Fraktionssprecher</strong> <strong>Alexander</strong> <strong>Tulatz</strong>.&nbsp;</p>



<p><strong>Das war&#8217;s dann</strong> mit der Bebauung von Vorderheide II. Die CDU ist mit ihren Bauplänen <strong>endgültig gescheitert.</strong></p>



<h2 class="wp-block-heading">Vorderheide II: Die dicke Rechnung kommt erst noch</h2>



<p><strong>Ende gut, alles gut?</strong> Für die Natur <strong>ja</strong> – für die Hofheimer <strong>bestimmt nicht</strong>: Denn demnächst wird ihnen die <strong>Rechnung</strong> präsentiert. Das könnte womöglich noch <strong>heftige</strong> <strong>Schmerzen</strong> verursachen:</p>



<p><strong>Linken-Fraktionsvorsitzende Barbara Grassel </strong>hat bereits schriftlich angefragt, welche <strong>Kosten</strong> der Stadt Hofheim mit dem<strong> Bebauungsplan&nbsp; Vorderheide II </strong>entstanden sind – für die umfangreiche <strong>Planung</strong>, für externe <strong>Beratung</strong> und für viele <strong>Gutachten</strong>, aber auch für für <strong>Anwälte</strong> und noch mehr <strong>Gutachten</strong> in einem jahrelangen <strong>Gerichtsverfahren</strong>.</p>



<p>Ein Teil der <strong>Ausgaben</strong> ist bereits bekannt und verbucht. Ein großer Teil aber ist noch <strong>offen</strong>. Und eine<strong> ganz dicke Rechnung</strong> könnte noch kommen. Zum besseren Verständnis müssen wir kurz etwas ausholen:</p>



<p>Die Vorderheide II war vor mehr als zehn Jahren als mögliches Bauland ausgewiesen worden. Eine <strong>2008</strong> gegründete <strong>Projektentwickungsgesellschaft</strong> wollte dort groß einsteigen: Sie heißt <em>&#8222;Entwicklungsgesellschaft Hofheim mbH &amp; Co.KG&#8220;</em> – kurz EGH – und ist ein Zusammenschluss verschiedener Unternehmen, führend dabei die <strong>Frank Bau- und Immobiliengruppe.</strong> Letztere hat mit einem ihrer Geschäftsführer – <strong>Michael Henninger</strong> – eine Art ständigen Vertreter in der Hofheimer CDU-Fraktion sitzen.</p>



<p><strong>2009</strong> schloss die Stadt mit der EGH einen sogenannten <strong>Managementvertrag</strong> ab. Der umfasst zwölf Seiten und sieht unter anderem vor, dass die Stadt für einen <strong>Bebauungsplan</strong> sorgt und dafür ein <strong>Pauschalhonorar</strong> <strong>in Höhe von</strong> <strong>insgesamt</strong> <strong>156.000 Euro </strong>(zzgl. Mehrwertsteuer) erhält.</p>



<p><strong>2012</strong> verlangten die Grünen Auskunft über die bis dahin angefallenen <strong>Kosten</strong>. Die Stadtverwaltung antwortete: Knapp <strong>45.000 Euro</strong> habe die Stadt ausgegeben, hinzu kommen <strong>27.000 Euro </strong>bei den Stadtwerken. In einem Verwaltungspapier mit der Nummer 2012/013 ist außerdem vermerkt: Es fielen <strong>Planungsleistungen</strong> in Höhe von <strong>123.000 Euro </strong>an, die durch das vereinbarte <strong>Pauschalhonorar</strong> abgedeckt seien. Allerdings würden diese Kosten <em>&#8222;für die Stadt anfallen, wenn das Wohngebiet Vorderheide II nicht umgesetzt würde&#8220;</em>.</p>



<p>Das war vor zehn Jahren. Jetzt wird das Wohngebiet nicht umgesetzt – und die EGH dürfte ihre erste dicke Rechnung ans Rathaus schicken.&nbsp;Damit wären der Stadt bereits Kosten in Höhe von 200.000 Euro entstanden – bis 2012.</p>



<p>Heute sind wir zehn Jahre weiter.</p>



<p>Seither wurden jede Menge weiterer <strong>Gutachten zum Natur- und Artenschutz</strong> erstellt. Der <strong>Bebauungsplan</strong> musste wegen zahlreicher <strong>Anpassungen</strong> noch einmal <strong>weitgehend</strong> <strong>erneuert</strong> werden. Das <strong>juristische</strong> <strong>Tauziehen</strong> vor Gericht zog sich über viele Jahre hinweg und war bestimmt nicht billig.</p>



<p>Auch die <strong>EGH</strong> wird nicht untätig geblieben sein. 2016 zeigte sich ihr <strong>Geschäftsführer Ronald Klein-Knott</strong> noch optimistisch und verkündete, dass man <em>&#8222;das Urteil des OVG mit Gelassenheit&#8220;</em><strong> </strong>erwarte. Dementsprechend dürfte er die Planung vorangetrieben haben, koste es, was es wolle&#8230;</p>



<p>Jetzt heißt es: Die Rechnung, bitte! Welche <strong>Ausgaben</strong> fielen <strong>bisher</strong> für die Stadt an? Und welche <strong>Forderungen</strong> könnten aus dem Managementvertrag noch auf die Stadt <strong>zukommen</strong>? Zwei Fragen, deren Beantwortung <strong>richtig</strong> <strong>weh</strong> tun kann:</p>



<p>Hofheims Bürgerinnen und Bürger werden für das rechtsfehlerhafte Vorgehen der Stadt beim Bebauungsplan Vorderheide II richtig teuer bezahlen müssen.</p>
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