Die Stadtkasse leer, die Straßen voll Ideen – und das Rathaus mittendrin. Ob es um die Umbenennung einer schnöden Straße, um neun Jahre alte Blitzer-Beschlüsse oder um die Social-Media-Karriere des Bürgermeisters geht: In Hofheim zeigt sich Lokalpolitik gerne von ihrer kuriosen Seite. Wir haben drei Geschichten gesammelt, die beweisen, dass Fantasie, Ignoranz und digitale Selbstdarstellung manchmal Hand in Hand gehen.
Hofheimer FDP – Politik im Latte-macchiato-Modus
Die Stadtkasse ist leer, alle müssen sparen, und der Bürgermeister warnt vor harten Zeiten. Umso aufschlussreicher, welche Ideen und Fantasien unsere Lokalpolitiker gerade beschäftigen.
Die FDP hat es mal wieder getan: Sie hebt die Hattersheimer Straße auf die Tagesordnung, als handle es sich um ein unterschätztes Juwel der Stadt – dabei liegt dort vor allem eines: die ollen Hallen des einstigen Traditionsunternehmens Polar-Mohr. Wo heute noch Maschinen gebaut werden, sollen ab Ende nächsten Jahres zwischen Straße und Bahngleisen rund 500 Wohnungen entstehen.
Klingt nach Zukunft – riecht aber erst einmal mehr nach Bauzaun.
Unterzeichnet wurde die Anfrage von Michaela Schwarz, der FDP-Fraktionschefin im Hofheimer Stadtparlament – und ihrem Stellvertreter Ralf Weber. Weber ist Makler. Ein Detail, das man getrost als „Marketing mit eingebautem Eigeninteresse“ verbuchen darf. Man könnte auch sagen: Win-win für alle Beteiligten – nur für die Bürger bleibt’s beim Altbekannten. Viel Show, wenig Substanz.
Darum geht’s: Die FDP möchte, dass die schnöde Hattersheimer Straße zur „Hattersheimer Allee“ wird. Der Magistrat solle prüfen, ob die Straße entsprechend umgewandelt werden kann.
Die Hattersheimer Straße! Soll eine Allee werden!
Da riecht man förmlich schon den Latte macchiato unter frisch gepflanzten Stadtbäumchen. Ein cleverer Name, der die Preise hebt, bevor auch nur ein Fundament gegossen wurde. Nüchterne Realität aus Gleisen und künftigem Baustellenbetrieb trifft auf politische Fantasie: eine Fusion, die selbst Marketingprofis erröten lässt.
Dabei sollte Hofheim eigentlich ganz andere Sorgen haben: Die Stadtkassen sind ratzeleer, hat die neue Stadtspitze soeben festgestellt – ein Desaster, an dem die FDP ein gehöriges Maß Mitverantwortung trägt, saß sie doch bis vor kurzem mit in der Koalition. Statt jetzt ernsthaft über Haushaltslöcher und Sanierungsmaßnahmen zu diskutieren, verheddert man sich lieber in Straßenumbenennungen und Allee-Phantasien.
Prioritäten deluxe.
Neu ist der Antrag nicht. Schon 2023 hatte die FDP ihr Anliegen vorgebracht, wörtlich hieß es damals: „Der Magistrat wird gebeten, so schnell wie möglich eine Planung zur Neugestaltung der Hattersheimer Straße in eine Allee zu beauftragen.“ Die Formulierung wurde leicht abgewandelt, dann mit kleiner Mehrheit durchgewunken – und schnell wieder vergessen.
Der Magistrat, damals noch unter einem CDU-Bürgermeister, sagte nie wieder etwas dazu. Eine Antwort, die Bände spricht.
Nun liegt der Ball bei der neuen Stadtspitze. Greift sie ihn auf – oder lässt sie ihn erneut ins Aus rollen? Sollten Fantasie und Realität irgendwann aufeinandertreffen, dürfte die teuerste Allee der Stadtgeschichte entstehen: ohne Bäume, mit viel Marketingluft – und einer ordentlichen Portion politischer Selbstüberschätzung.
Blitzer-Blues in Hofheim – neun Jahre Warten auf Nichts
Fünf Jahre herrschte Schweigen im Walde – und plötzlich, wenige Wochen vor den Kommunalwahlen, taucht es wieder auf wie ein längst vergessener Bekannter: das legendäre Blitzer-Thema. Die FWG im Hofheimer Stadtparlament hatte es einst ausgepackt, sich dann aber in eine kuschelige Minderheitskoalition mit der CDU begeben. Dazu ein CDU-Bürgermeister im Rathaus – Thema erledigt. Praktisch vergessen. Politisches Mauerblümchendasein.
Jetzt aber sitzt da ein Rathauschef ohne Parteibuch – und siehe da: Ein Beschluss von 2016 wird aufgewärmt wie eine sensationelle Nachricht.
Breaking News: Blitzer immer noch nicht da!
Zur Erinnerung: Am 14. Dezember 2016 – also vor ziemlich genau neun Jahren – beschlossen die Stadtverordneten Geschwindigkeitsmessgeräte für zwei Straßen in Hofheim: an der Reifenberger Straße und an der Oranienstraße in Langenhain. Auch ein Blitzer für die L3011 in Lorsbach sollte geprüft werden, Ecke Hofheimer Straße/Am Bahnhof. 25.000 Euro legte man dafür beiseite.
In der Reifenberger Straße und in Langenhain passierte anschließend tatsächlich etwas. Und in Lorsbach? Nichts. Rein gar nichts. FWG-Fraktionschef Andreas Nickel, selbst Lorsbacher, hat jetzt ein Schreiben an den Magistrat verfasst und moniert: „Seit nunmehr 9 Jahren wird dieser Beschluss nicht umgesetzt.“ Immer wieder hätten Magistratsvertreter den Lorsbachern neue Zusagen gemacht, neue Perspektiven aufgezeigt. Ergebnis: null, nada, niente. „Der Vertrauensschaden ist immens“, schreibt Nickel. Man könnte auch sagen: episch.
Nickel möchte nun wissen, warum der Blitzer nie aufgestellt wurde, warum niemand informiert – und wer dafür verantwortlich sei. Er weist ausdrücklich darauf hin, dass der damalige Beschluss „auch auf unsere Initiative zurückzuführen ist“. Warum die FWG dann neun Jahre lang nicht nachfragte, bleibt eines der schöneren Rätsel der Hofheimer Kommunalpolitik. Ein Lehrstück in strategischem Wegsehen, könnte man sagen.
Dann die Pointe: Nickel fragt, ob das damals eingeplante Geld eigentlich noch existiert und abrufbar ist. Man kann sich die Antwort angesichts der jüngsten Berichte aus dem Rathaus denken.
Am Ende offenbart die Anfrage vor allem eins: Manchmal hält die Geduld der Bürger länger als jeder politische Vorsatz. Und wenn die Kasse leer ist, werden selbst alte Versprechen zu dem, was sie hier offenbar schon lange sind: gute Unterhaltung.
Wenn der Bürgermeister viral geht – und die CDU nach Antworten sucht

Wir haben ja sonst keine Sorgen! Wahlkampf scheint schon begonnen – und Hofheims einst stolze Minderheitskoalition, die sich jahrelang leidlich gut vertragen hat, bekabbelt sich wegen Nichtigkeiten. Man könnte fast meinen, man beobachte eine Wohngemeinschaft beim Streit um die Fernbedienung. Längst nimmt das Polit-Schauspiel skurrile Züge an.
Die FDP möchte Straßen zu Alleen umbenennen. Die FWG kramt einen bald zehn Jahre alten Blitzer-Antrag aus ihren Schubladen. Und nun tritt auch die CDU auf den Plan, mit einer Frage, die man sich besser erst nach dem zweiten Bier stellen sollte:
Warum hat der neue Bürgermeister eigentlich so viel Erfolg mit seinen Internetvideos?
Diese Frage, und das ist kein Scherz, soll nun der Magistrat beantworten.
Der bisherige CDU-Bürgermeister hatte jahrelang mit Internet-Filmchen („Freitags-Videos“), Social-Media-Posts und Pressemeldungen vor sich hin geglänzt. Abrufzahlen: solide 3.500 bis 4.000 – ein digitaler Applaus, der zuverlässig kam, aber nie so laut war, dass man die Nachbarn hätte vorwarnen müssen.
Dann der Wechsel im Rathaus – und der neue Bürgermeister Wilhelm Schultze von der BfH drückte offenbar den „Boost“-Knopf, von dem die CDU nie wusste, dass es ihn gibt. Plötzlich schießen die städtischen Videos in die Zehntausender. Für eine Stadt, in der sonst allenfalls die verspätete S-Bahn für Aufregung sorgt, ist das ganz schön viel. Selbst eingefleischte Social-Media-Verächter müssen anerkennen: Das ist beeindruckend.
Und die CDU? Die, die lange Meister*in der Selbstinszenierung war? Sie starrt nun fassungslos auf die neuen Reichweiten und reicht die Anfrage STV2025/211 ein: Wie kann das sein? „Nur mit einer möglichen Verbesserung der Videoqualität“, heißt es in dem Schreiben, seien solche Zahlen ja wohl kaum zu erklären. Man hört förmlich das beleidigte Unterton-Vibrato.
Zur Einordnung: Politische Werbung auf Instagram muss seit Oktober 2025 gekennzeichnet werden. Der Konzern Meta hält die Regel für nicht umsetzbar – und sperrt politische Anzeigen gleich ganz. Der Medienstaatsvertrag wiederum, der die Regeln für Rundfunk und Online-Medien festlegt, sagt: Städtische Informationen, neutral und sachlich, sind keine politische Werbung.
Auf diesem schmalen Grat balanciert nun Hofheims CDU und fragt sich: Sind die Videos des Bürgermeisters wirklich unpolitisch – oder steckt hinter den stolzen Klickzahlen nicht doch ein gut versteckter digitaler Geheimtrick?
Fakt ist: Reichweite lässt sich nicht einfach bestellen wie ein Schoppen am Weinstand. Man braucht Geschichten, Stil – und vielleicht jemanden, der vor der Kamera nicht wirkt, als wolle er gleich die Tagesordnung verlesen.
So lernt die CDU gerade, was Influencer schon immer wussten: Man kann sich noch so gut ausleuchten – wenn der Inhalt nicht zieht, bleibt das Publikum im Dunkeln.
Und manchmal ist die bitterste Erkenntnis im Rathausalltag nicht politischer Natur, sondern die:
Der Algorithmus hat einfach einen neuen Liebling.




Bürgermeister Schultze geht viral und CDU gucken in die Röhre: Deshalb, weil der neue Bürgermeister für Hofheim Herr Wilhelm Schultze von der BfH
„a damn good looking guy“ ist. Davon sind die CDUler Lichtjahre entfernt.