Direkt zum Inhalt

Wein-Taktik & Riesen-Klötze: Die wirre Welt von zwei Kommunalpolitikern

Posted in Allgemein

Teile diesen Beitrag:

Noch einmal müssen sie ran: An diesem Mittwoch kommen die Hofheimer Stadtverordneten zu ihrer letzten Sitzung vor der Sommerpause zusammen. Im Vorfeld sorgen zwei Kommunalpolitiker für Irritationen und Missstimmung: Sie streuen wirre Aussagen und Falschinformationen – mit der erkennbaren Absicht, eigene Interessen durchsetzen zu können. Dass sie damit dem Ansehen der gesamten Kommunalpolitik in der Kreisstadt weiter schaden, scheint sie nicht zu stören. 

CDU-Baltruschat versucht jetzt die Wein-Taktik

Chalet! Chalet! Immerzu und überall nur: Chalet! Man kann’s eigentlich nicht mehr hören. Es gibt so viele Themen, über die man in Hofheim reden müsste, aber nein: Alle reden über den Weinstand auf dem Untertorplatz. Auch in der Stadtverordnetenversammlung an diesem Mittwoch steht das Thema auf der Tagesordnung. Da können auch wir nicht schweigen und berichten exklusiv: Wulf Baltruschat, der Betreiber des Weinstandes, will sich mit der Mitleids-Masche den umstrittenen Chalet-Standort im Herzen der Altstadt sichern.

Schließlich geht es um viel Geld, da ist jedes Mittel recht.

Deshalb jetzt: Baltruschats Wein-Taktik. Wulf weint.

Baltruschat
Wulf Baltruschat

Aber der Reihe nach:

Wulf Baltruschat, von Beruf Polizist und Vorsitzender des Vereinsrings, ist auch ehrenamtliches Magistratsmitglied (früher SPD, heute CDU), wo er allerdings vor allem dadurch auffällt, dass er seinen Pflichten nicht nachkommt.

Neulich war’s, im Urlaub in Italien. Er las wieder einmal – was sonst? – den Hofheim/Kriftel-Newsletter und erfuhr so, oh Schreck, dass der Magistrat den Weinstand auf den Prüfstand stellen will. Und die (bislang unter Verschluss gehaltenen) Chalet-Verträge sichten will. Und wissen will, welche Geschäfte abseits der Vereinsförderung im Chalet laufen.

„Magistrat verspricht Transparenz“: Unser Bericht muss Baltruschat geschmeckt haben wie billige Plörre aus dem untersten Supermarktregal. Umgehend setzte er sich hin: Er müsse sich was „von der Seele schreiben“, schrieb er.

Wenig später veröffentlichte er sein Schreiben via Facebook: Es sollten ja ein paar Leute lesen.

Überschrift: „Gedanken eines Vereinsmenschen zur Kommunalpolitik in Hofheim“. (Alle hier kursiv gesetzten Zitate sind Originalsätze aus Baltruschats Beitrag).

Chalet vom Tuermchen aus
Der Weinstand „Chalet“: Nachdem eine Lokalpolitikerin den Standort kritisiert hatte, bekam sie von Wulf Baltruschat erst Drohmails, dann zeigte er die Frau bei der Polizei an (nachzulesen hier).

Es beginnt mit einer kleinen Geschichte: „In Facebook berichtet der Verein ,Freundeskreis Tenkodogo‘ über die gelungene Modenschau anlässlich des Kreisstadtsommers.“

Und was passierte dann? Ganz schlimm: Der grüne Stadtrat Daniel Philipp habe den Tenkodogo-Beitrag auf Facebook geliked, schreibt Baltruschat

Es liest sich so, als müsse er bei dem Gedanken ganz doll weinen: „Wann hat dieser Stadtrat den Vereinsring Hofheim mal gelikt oder das Chalet oder den Wäldchestag, den der Vereinsring organisiert?“

Die Frage ist natürlich rein rhetorisch, Baltruschat kennt die traurige Antwort: „Nie.“

So jammert sich der Mann von Zeile zu Zeile. Weinen soll angeblich von Weinen kommen. Baltruschats Text liest sich, als habe er sehr viel Wein getrunken, bevor er seine Gedanken zur Kommunalpolitik niederschrieb.

Nicht nur den Philipp verortet er bei den Bösen, die ihn nicht liken, sondern auch die Stadtverordneten von den Grünen, von den Linken und von der BfH: Sie alle hätten seinen Weinstand bisher noch nicht aufgesucht. NOCH NIE! Nicht einmal gesprochen hätten sie mit ihm! Da muss man doch weinen: „Sind wir Vereine nichts Wert? Haben wir keine Wertschätzung und Unterstützung verdient für all das, was wir für die Stadtgesellschaft leisten?“

Dabei sei er doch so ein guter Mensch: „Ich habe mein Amt noch nie für politische Spielchen missbraucht“, beteuert Baltruschat, Betonung auf „noch nie“. Und weiter: „Man kann mich mögen oder auch nicht, aber im Chalet stehen Vereine und nicht Wulf Baltruschat“.

Das ist natürlich nicht ganz richtig, es müsste heißen: Im Chalet steht ab und zu mal ein Verein, ansonsten wird dort oftmals gewerblich Wein ausgeschenkt… Aber solche Fehler können passieren, nach all dem Wein…

Baltruschat Facebook
Auf Facebook schrieb sich Baltruschat seinen Frust über Hofheims Kommunalpolitik von der Seele. Er kann das angeblich beurteilen: Viele sind böse – er ist gut.

Schwerer wiegt, was der Mann über die Grünen verbreitet – das ist kaum mit übermässigem Weingenuss zu erklären. Das ist bei ihm schon notorisch:

Die Grünen wollten sein Chalet ganz weg haben, schreibt Baltruschat, „an einen anderen Ort, wo möglichst kein Wein verkauft wird“.

Das ist purer Unsinn, das weiß er natürlich, das haben die Grünen nämlich nie gesagt. Das aber scheint einen Baltruschat in seinem Zustand nicht mehr zu interessieren: Er, der sein Amt angeblich „noch nie für politische Spielchen missbraucht“ haben will, behauptet einfach, das sei der Plan der Grünen, und das sei ganz schrecklich für ganz Hofheim:

Wo sollen die Vereine hin? Ins Schämeeckchen? An den Ortsrand.“

Waldgaststätte Meisterturm: Stadtverordnete müssen Farbe bekennen

Kein Thema hat die Hofheimer in letzter Zeit so bewegt wie die drohende Schließung der Waldgaststätte Meisterturm. Die Berichte im Hofheim/Kriftel-Newsletter (hier und hier) wurden über 20.000 Mal aufgerufen: Der Magistrat will die Gebäude auf dem Kapellenberg im nächsten Jahr abreißen; Pläne, was dort entstehen soll, liegen noch nicht vor.

An diesem Mittwoch, 10. Juli, muss sich die Stadtverordnetenversammlung damit befassen (ab 18 Uhr, Stadthalle): Die Bürger für Hofheim haben beantragt, während der Bauzeit einen Container aufzustellen: Getränke und einfache Speisen sollen angeboten werden. Wer das machen soll: unklar.

Etwas weiter geht ein Antrag der Linken: Die Stadtverordneten dem Pächterehepaar König – das vom Magistrat ziemlich schnöde beiseite geschoben wurde – „für die langjährige, erfolgreiche Bewirtschaftung des beliebtesten Ausflugsziels“ danken. Sodann soll sich der Magistrat dafür einsetzen, dass die Familie gemeinsam mit ihrem Personal die Gaststätte weiter betreibt. Das gastronomische Angebot müsse auf jeden Fall erhalten bleiben, auch während bei baubedingten Schließungen, die möglichst in der Nebensaison stattfinden sollen.

„Der Meisterturm ist mit seiner Geschichte ein wichtiger Bestandteil von Hofheim“, schrieb ein Leser des Hofheim/Kriftel-Newsletter. Man darf gespannt sein, wie sich die Stadtverordneten nun für das beliebte Ausflugsziel einsetzen werden.

Alle Parteien, fordert Baltruschat, müssten die Vereine jetzt „bis aufs Blut verteidigen“, jawoll: „bis aufs Blut“! Und die Parteien müssten auch für ihn kämpfen, denn sie müssten „froh sein, einen Vereinsring zu haben“: Der Vereinsring sei schließlich „die Vertretung der Vereine, die Vereine sind der Vereinsring und zusammen bilden wir die Stadtgesellschaft ab“.

Der tiefere Sinn dieser weinseligen Baltruschat-Formel erklärt sich aus seinem abgehobenen Selbstverständnis: Vereinsring = Stadtgesellschaft; das ergibt in seiner wirren Welt dann auch: Vereinsringvorsitzender = Chef der Stadt.

Es ist wirklich zum Heulen, dass das keiner kapiert!

„Das alles macht mich traurig und nachdenklich, aber auch stark und entschlossen weiter für die Vereine zu kämpfen“, schreibt Baltruschat noch. Und schenkt uns einen Schlusssatz, den man von ihm noch nie gehört hat:

 „Ich bin offen für Gespräche.“

Baltruschat offen für Gespräche! Das wäre ja mal ein Anfang!

Dann dürfte der Magistrat ja keine Probleme mehr haben, Licht in das Dunkel der Chalet-Geschäfte zu bringen!

Der janusköpfige FDP-Mann & die Riesen-Klötze

Ralf Weber, von Beruf Immobilienmakler und Mitglied der kleinen FDP-Fraktion im Stadtparlament, meldete sich kürzlich per Leserbrief in der Lokalzeitung zu Wort: Die Nord-Süd-Stromtrasse von Amprion und zwei geplante  Konverterstationen auf Hofheimer Gemarkung seien „eine unglaubliche Verschandelung der Landschaft mit riesigen Einwirkungen auf die Natur und das Klima“. Die Trasse führe „quer über das vielgepriesene Vogelschutzgebiet Vorderheide II, quer über den Kapellenberg. Es wird einfach eine riesige Katastrophe, deren Ausmaße unvorstellbar sind.“

Weber
Ralf Weber

Man kann dem Amprion-Projekt kritisch gegenüberstehen, sollte es sicher auch. Aber darum geht es Weber offensichtlich nicht. Er schreibt nämlich auch diesen Satz: „Man muss noch einmal klar hervorheben, dass das alles nichts Anderes ist, als pure und reine grüne Ideologie, die hier rücksichtslos umgesetzt wird.“

So verrät der Leserbrief einmal mehr seinen längst krankhaft anmutenden Hass auf grüne Politik. Er offenbart zugleich, wie opportunistisch Weber als Stadtverordneter agiert:

Jahrelang hatte er sich dafür eingesetzt, dass auf dem Kapellenberg das Luxusbaugebiet „Vorderheide II“ entsteht. Kritikern der dekadent anmutenden Pläne warf er vor, sie seien „zynisch”, „egoistisch” und „menschenverachtend” : Sie wollten nur den dringend benötigten Wohnraum verhindern. Selbst nachdem das oberste deutsche Verwaltungsgericht die Pläne endgültig gestoppt hatte, ließ Weber nicht locker: „Wir sollten uns alle Optionen offen halten“, forderte er das Stadtparlament auf, schließlich gebe es „ernstzunehmende Fachleute, die sehen das Gebiet als ökologisch nicht so wichtig an“.

Jetzt ausgerechnet dieser Mann schwingt sich jetzt zum Fan von Vorderheide II auf, spricht sogar von einem „vielgepriesenen Vogelschutzgebiet“: Sollen wir ihm das wirklich glauben?

Kürzlich zeigte Weber ein anderes Gesicht. Im Bau- und Planungsausschuss ging es um ein Thema, das an diesem Mittwoch im Stadtparlament endgültig entschieden werden soll: Die Süwag will hinter Marxheim ein Rechenzentrum bauen. Auch hier sind die Dimensionen gewaltig: 50 Meter lang. 16 Meter hoch. Und das alles auf bestem Ackerland.

Die Konverter-Klötze von Amprion verteufelte Weber als Verschandelung der Landschaft. Und was sagt Weber zu diesem riesigen Bauwerk? Wir haben es wörtlich mitgeschrieben: „Wir werden dem Antrag zustimmen, weil die Notwendigkeit des Rechenzentrums genau an dieser Stelle natürlich auf der Hand liegt.“

Der Süwag-Klotz, so Weber weiter, sei „ein sehr harmonischer Ausblick für die Zukunft“.

Rechenzentrum Marxheim 20230715
So soll das Gebäude aussehen, dass die Süwag demnächst hinter Marxheim auf bestem Ackerland errichtet.

Janusköpfiger Weber: In der Sitzung des Bau- und Planungsausschusses ging es auch um den Flächennutzungsplan, in dem alle Wohn- und Gewerbegebiete der Kommunen eingetragen sind. Weber forderte, dass die Hofheimer Politik mehr Gewerbegebiete ausweisen lassen müsse.

Eine solche Meinung kann man durchaus vertreten, man kann sie sicher auch gut begründen. Weber aber nennt keine Argumente: Er ersetzt sie durch abfällige Bemerkungen über Andersdenkende

„Wir entwickeln Hofheim nicht weiter, wenn wir sagen, jede Ackerfläche muss erhalten bleiben“, lautete einer seiner Sprüche. Und auch: „Wir können nicht weiter die Entwicklung verhindern, weil irgendein Umweltkriterium erfüllt werden muss. Oder ein Wesen für besonders schützenswert gehalten wird.“

Und dann auch noch dieser Satz: „Es kann nicht sein, das Verhinderungstheoretiker der Entwicklung der Stadt Hofheim und dem Gemeinwohl entgegentreten.“

Eben noch beklagt der Mann eine Verschandelung der Landschaft.

Jetzt ruft er dazu auf, Ackerland zu planieren, um neue Gewerbeflächen zu schaffen.

74 Jahre ist der Immobilienmakler inzwischen alt. Der Eindruck, dass er nicht mehr weiß, was er sagt, lässt sich kaum vermeiden.

Das ist nicht gut für die Politik.

Und für Hofheim schon gar nicht.

Teile diesen Beitrag:

3 Comments

  1. hebeling

    Wo muss ich den Antrag stellen?

    Ich möchte bitte einen Saftladen am Untertor eröffnen… aber genau zu den gleichen Konditionen und Privilegien wie das Chalet! Einen Teil des Fruchtnektar-Erlöses stifte ich dem Tierheim. Das ist doch eine gute Sache.

    10. Juli 2024
    |Reply
    • Da musst Du erstmal „spätzeln“ lernen – sonst geht das natürlich nicht!

      16. Juli 2024
      |Reply
  2. Eigentlich wollte ich einen total rationalen, vernünftigen und sachlichen Kommentar hierzu verfassen….aber leider gelingt es mir nicht, das Bild eines wütend brüllenden 5 Jährigen im Schwarzen Anzug aus dem Kopf zu kriegen, der im Sandkasten wild mit Schäufelchen um sich schlägt und über andere Kinder den Sandeimer ausleert.

    16. Juli 2024
    |Reply

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Erfahren Sie es zuerst!

Abonnieren Sie den HK-Newsletter! Er ist die perfekte Ergänzung zu dieser Webseite: Sie werden per E-Mail informiert, sobald ein neuer Bericht veröffentlicht wurde – kostenlos und werbefrei!