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Der dunkle Klotz von Lorsbach: Der HWB-Chef sagt, er sei selbst überrascht

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Bereits über 2000 Mal wurde unser Bericht über den dunklen Klotz von Lorsbach aufgerufen. Er katapultierte sich damit binnen weniger Tage in die Top Ten der meistgelesenen Berichte dieses Jahres. Das Interesse ist offensichtlich groß, deshalb gib’s jetzt einen „Nachschlag“: Der Ortsbeirat Lorsbach befasste sich mit dem Thema. Hier überraschte der verantwortliche Chef der städtischen Wohnungsbaugesellschaft HWB mit unerwarteten Mitteilungen.

Dieter Kugelmann war not amused. Der Ortsvorsteher von Lorsbach, er ist von Jahrgang 1949, teilte seine angesäuerte Stimmungslage umgehend der Öffentlichkeit mit: „Der HK-Newsletter macht alles schlecht”, klagte er in der Facebook-Gruppe „Wir in Hofheim“ (über 17.000 Mitglieder).

Was war passiert? Womit hatten wir uns den Unmut des CDU-Mannes zugezogen?

Klotz von Lorsbach

Wir hatten berichtet: Mitten in dem 2.800-Seelen-Dörfchen wird derzeit ein gewaltiger Neubau errichtet – gebaut bis dicht an die Straße „Alt Lorsbach“, drei Stockwerke hoch, mit ortsuntypischem Flachdach, und im hinteren Bereich wird sogar noch ein Staffelgeschoß obendrauf gepackt. Der vordere Bereich des Klotzes soll dunkel-düster verklinkert werden.

Ganz anders hatte sich die Planung vor Baubeginn dargestellt: Auf Computerbildern war damals eine luftig-freundliche Bauweise mit viel Platz zur Straße hin versprochen worden, vorne und an der Seite des Gebäudes waren auch noch ziemlich große Bäume eingezeichnet.

Als die Lorsbacher Bürger diese Pläne erstmals sahen, nickten die meisten zustimmend.

Und jetzt?

Lorsbach Dorfmitte 1
Mit solchen Bildern wurde für den Neubau mitten in Lorsbach geworben.

Der Bericht im Hofheim/Kriftel-Newsletter fand weit über die Dorfgrenzen hinaus große Beachtung. Die Resonanz fiel weitgehend einheitlich aus:

„Katastrophe!“ kommentierte Christiane Starke. „Unsere armen Lorsbacher. Erst die ätzende Baustelle und jetzt dieser hässliche neue Klotz.“

Jasmin Belle befand: „Traurig, Katastrophe, furchtbar.“

Andere flüchteten sich in Sarkasmus. Dennis Mack schrieb: „Dass das Gebäude in die Umgebung nicht so rein passt, ist schade…. Muss man halt alle anderen Gebäude entsprechend anpassen.“

Sandra Georg versuchte, dem Klotz etwas Positives abzugewinnen : „Na immerhin steht man im Schatten, wenn’s an der Schranke mal wieder länger dauert.“

Annette Haagen stellte die – sicher richtigen – Fragen: „Furchtbar!! Ich frage mich: Wer genehmigt so etwas und vor allem: warum!“

HWB-Chef: Computerbilder waren nur eine Idee

Bauherr ist in diesem Fall kein auswärtiger Investor, bei dem man nicht verwundert wäre, wenn er ohne Rücksicht auf örtliche Gegebenheiten und Nachbarschaft den größtmöglichen Profit herauszuschlagen versuchen würde.

Nein, verantwortlich für den Lorsbacher Klotz ist die Hofheimer Wohnungsbau GmbH, kurz HWB. Das Unternehmen ist zu 100 Prozent im Besitz der Stadt, als Chef des Aufsichtsrates fungiert kraft Amtes Bürgermeister Christian Vogt, auch er in der CDU.

Unmittelbar nach Erscheinen unseres Berichts befasste sich jetzt der kleine Lorsbacher Ortsbeirat mit dem Thema. Zur Sitzung angereist war Josef Mayr, einer von zwei HWB-Geschäftsführern. Grund: Die Lokalpolitiker Barbara Grassel und Bernd Hausmann (Linke) hatten mehrere Fragen eingereicht, mit denen die Visualisierung und ihre Umsetzung kritisch hinterfragt wurde. Überschrift: „Schein und Wirklichkeit“.

Mayr versicherte, dass der Neubau auf einer genehmigten Planung basiere. 2020 hatte die HWB das Grundstück erworben, 2021 seien die Pläne der Öffentlichkeit vorgestellt worden.

Damals aber, wie gesagt, sah der Bau noch hell und luftig aus…

Mayr machte jetzt klar: Die Computeranimationen, mit denen seinerzeit die Zustimmung der Bürger eingeholt worden war, wie auch die überarbeitete Version, die heute auf der großen Baustellentafel zu sehen ist – diese Darstellungen seien keineswegs verbindlich. Mayr: „Die Computerbilder werden ausschließlich erstellt, um der Öffentlichkeit eine Idee des Gestaltungskonzeptes zu vermitteln.“

Gequältes Gelächter im Ortsbeirat.

Lorsbach Dorfmitte 2

Laut Computerbildern müssten, darauf hatten Grassel/Hausmann hingewiesen, geschätzte sechs Meter zwischen Hausfassade und Straße Platz bleiben. Schon heute ist erkennbar: Die Hausmauer wurde so dicht an die Fahrbahn heranrückt, dass nach Abbau der Gerüste allenfalls ein schmaler Gehweg bleiben wird.

Mayr sagte jetzt: Die Computerdarstellungen dienten „generell nicht zur Entnahme von Maßen“. Der öffentliche Gehweg sei auch nicht Bestandteil der HWB-Planung gewesen: „Er bleibt unangetastet und in voller Breite erhalten.

Wobei „volle Breite“ in diesem Fall bedeutet: Der Gehweg wird bedeutend enger als auf den Computeranimationen dargestellt.

Aber die Bilder sollten schließlich nur eine Idee vermitteln…

Lorsbach Dorfmitte Bau2

Und dann noch ein dritter Punkt: Man habe sich bemüht, möglichst viel vom neuen Bauwerk auf den Bildern zu zeigen, so Mayr. Angesichts des engen Raums zu den benachbarten Gebäuden habe man den Neubau „etwas verzerrt darstellen“ müssen. Eine Folge dieser optischen Trickserei: „Durch den Weitwinkel bei der Darstellung erscheint der Platz vor dem Gebäude etwas größer.“

Und dann sagte der HWB-Chef auch noch diesen Satz, der in seiner Offenheit überraschte: „Ich muss zugeben, als ich das erste Mal die Baustelle sah, dachte ich: Oh, das sieht doch etwas anders aus als in der Visualisierung.“

Das Geständnis kommt spät, für die Lorsbacher viel zu spät. Ob denn wenigstens der große Baum gepflanzt werde, der auf den Computerbildern neben dem Gebäude eingezeichnet sei, fragte Hausmann beharrlich nach. Oder sei ein so großer Baum wegen der Tiefgarage unter dem Neubau und der Nachbarschaft überhaupt nicht möglich?

Mayr blieb im Ungefähren: „Wir sind noch nicht so weit mit der Außenplanung, werden aber versuchen, das so ähnlich auch umzusetzen.“

Ob es denn bei der dunklen Verklinkerung bleibe, die auf dem aktuellen Baustellenschild zu sehen ist? wurde schließlich noch gefragt. Vor einem Jahr habe der Ortsbeirat mehrheitlich beschlossen, dass ein heller Klinker verwendet werden soll – wie beim Neubau der Hofheimer Stadtbücherei.

Mayr entgegnete, dass die Farbe des Klinkers Geschmacksache sei. Der HWB-Architekt habe dunklen Klinker vorgesehen, „das soll dann auch in die Richtung gehen“.

Es klang wie: Ihr im Ortsbeirat könnt gerne beschließen, was immer ihr wollt – wir von der HWB machen es so, wie es uns gefällt.

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