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Sie flohen vor dem Krieg: Neues Zuhause verzweifelt gesucht

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Nikita ist sieben, sein Bruder Tymur sechs Jahre alt. Zwei Jungs, die glücklich und unbeschwert wirken. Mutter Kateryna nimmt ihre Kinder in den Arm und drückt sie fest an sich – ein Bild der Zufriedenheit. Doch das täuscht: Die kleine Familie ist auf der Flucht. Putins Krieg hat sie aus ihrer Heimat vertrieben. Die drei strandeten in Kriftel, jetzt brauchen sie dringend ein Zuhause, möglichst in der näheren Umgebung. Kann nicht irgendwer der kleinen Familie helfen?

Sie kommen aus Charkiw, das ist die zweitgrößte Stadt der Ukraine, gelegen im Nordosten des Landes, 1,5 Millionen Einwohner. Aktuell berichten Reporter aus der Stadt, dass das russische Militär zwar auf dem Rückzug sei, aber die Zivilbevölkerung mit Luftschlägen terrorisiere und die Infrastruktur zerstöre. Es gebe keinen Strom mehr und nur eine eingeschränkte Wasserversorgung. Hunderte Einwohner wurden bereits getötet, ein Großteil der Stadt liegt in Schutt und Asche.

Wenn Kateryna zurückblickt, kommen ihr immer wieder die Tränen. Das Erlebte ist noch nicht verkraftet.

Es war am 24. Februar, sagt sie, morgens um fünf Uhr seien sie aufgewacht. Überall Explosionen. „Uns war sofort klar: Unsere Stadt wird angegriffen. Das ist der Krieg.“

Sie hätten sofort ein paar Sachen zusammengepackt, die Jungs durften sich ein Spielzeug aussuchen, mehr nicht. Aber wohin? Die ersten Tage lebten sie in Kellern und in U-Bahnschächten, „es war kalt und nass, wir schliefen in unseren Sachen, aber am schlimmsten war die Unsicherheit: Wie geht’s weiter?“

Freunde stellten ihnen ein Auto zur Verfügung, sie fuhren gen Westen. 1000 Kilometer, nur tagsüber kamen sie voran, nachts herrschte Ausgangsverbot, vier Tage brauchten sie. Sie übernachteten bei Verwandten, fuhren weiter über die Grenze nach Rumänien, von dort aus weiter zu Verwandten. Der Ehemann? „Volodymyr darf die Ukraine nicht verlassen. Er muss bleiben.“ Kateryna kommen wieder die Tränen: Ihr Mann, er studierte Physik, hatte zuletzt mit einem Freund einen kleines Unternehmen aufgebaut. Alles kaputt.

Der Familie ist nichts, aber auch gar nichts geblieben.

Die Mutter stieg mit ihren Kindern in München in einen Zug und fuhr nach Frankfurt. Freunde aus Kriftel holten sie ab und nahmen sie auf: Olga Muhs kennt Katerynas Mann aus gemeinsamen Studientagen. Die gebürtige Ukrainerin lebt seit zehn Jahren in Deutschland, ist verheiratet mit Sebastian, der sich mit Industriemontage selbständig gemacht hat. Sie ist studierte Ingenieurin und arbeitet bei Sanofi in Höchst. Das Ehepaar wohnt in Kriftel direkt neben dem Freizeitpark.

Krieg
Olga Muhs mit der kleinen ukrainischen Familie, die vor dem Krieg flüchtete und jetzt eine Bleibe sucht.

Als der Krieg ausbrach, hat sich das Ehepaar Muhs sofort bei einem ukrainischen Verein engagiert, Sebastian Muhs begleitete bereits mehrere Hilfstransporten in das umkämpfte Land.

Die Muhs stellten Kateryna und den Jungs ihr kleines Gästezimmer zur Verfügung. „Wir dachten, wir fänden schnell eine Wohnung für die drei.“ Aber was in den ersten Wochen des Krieges noch möglich war, sei inzwischen schwierig geworden. „Es ist schon ein wenig zum Verzweifeln.“

So leben sie jetzt seit Monaten zusammen, auf 80 Quadratmetern, kürzlich ist auch noch Olgas Mutter gekommen: Die 66-Jährige lebte in der Ost-Ukraine, zuletzt hielt sie es nicht mehr aus und flüchtete, jetzt muss sie auf der Couch schlafen. „Im Sommer ging’s noch“, sagt Olga Muhs, „da konnte man in den Freizeitpark und ins Schwimmbad“. Aber jetzt steht der Herbst vor der Tür, und dann komme der Winter

Es wird eng, sehr eng.

Der kleine Tymur geht in den Kindergarten, seine Mutter Kateryna – sie ist gelernte Erzieherin – hilft bei der Betreuung der Kinder. Nikita besucht die Krifteler Schule. Sie lernen deutsch, sie wollen auch bleiben: „In Charkiw ist alles zerstört, dahin können wir doch nicht mehr zurück.“

Aber wohin dann? Es muss nichts Besonders sein, sagen sie. Das Job-Center übernehme die Wohnungskosten, die Kaltmiete sollte aber bitte nicht höher als 600 Euro sein, sagt Olga Muhs. „Wenn es hilft, will ich auch für die Mietzahlungen bürgen“, sagt sie.

Es klingt sehr verzweifelt. Kann nicht irgendwer helfen? Olga Muhs ist per E-Mail zu erreichen: olga.muhs@web.de.

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