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„City Trees“: Rathaus beruft sich auf Studien – die Zweifel wachsen

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Für einen Batzen Steuergeld will die Stadt Hofheim einen gewaltigen „Schrank“ in der Innenstadt aufstellen lassen. Ein paar Meter lang, ein paar Meter hoch, außen Holz, vielleicht eine Sitzbank davor – das ist der „City Tree“. Innen drin werde mit Moos und spezieller Technik die Stadtluft gereinigt und die Temperatur gesenkt – behauptet der Hersteller. Längst aber haben etliche Städte die „künstlichen Bäume“ wieder entsorgt, berichtete der Hofheim/Kriftel-Newsletter letzte Woche, denn die Geräte taugen einfach nicht. Hofheims Stadtverwaltung aber will davon nichts wissen und teilte mit: Es gebe neue „City Trees“, bei denen „die versprochene Wirkung gegeben“ sei, auch fänden die Geräte in ausländischen Städten „erfolgreich Anwendung“. q das nur stimmt! Für Zweifel gibt’s immer mehr Gründe.

Christian Vogt war not amused. In einer Pressemitteilung hatte sich Hofheims Bürgermeister feiern lassen, als er kürzlich bei der Landesregierung einen 200.000-Euro-Scheck hatte abholen dürfen: Von dem Geld würde man u.a. „City Trees“ aufstellen lassen, frohlockte er. Eine Mitteilung seiner Pressestelle klang nahezu euphorisch: „Die Entwicklung des Dresdner Startups Green City Solution GmbH verspricht eine Reduzierung der Feinstaubbelastung durch eingesetzte Moosmodule und schafft zudem weitere Sitzmöglichkeiten zum Verweilen.“

Die Rathaus-Meldung sprach übrigens von „City Trees“, also Mehrzahl. Inzwischen korrigierte die Pressestelle: Nur ein „Schrank“ solle angeschafft und auf dem Kellereiplatz aufgebaut werden.

Am vergangenen Samstag erschien dann der Bericht im Hofheim/Kriftel-Newsletter, der die gute Stimmung binnen Minuten schredderte. Überschrift: „Fiel Hofheim auf großmäulige Werbesprüche rein?“ Genannt wurden etliche Städte in Deutschland, die viel Geld in „City Trees“ investiert hatten und dann feststellen mussten: Die Dinger leisten nicht das, was der Hersteller verspricht.

Am Sonntag meldete sich der Bürgermeister. Der Hinweis, den er in seiner Pressemitteilung noch außen vor gelassen hatte, erschien ihm jetzt wichtig: Nicht er allein habe über die Aufstellung der „City Trees“ entschieden, vielmehr gebe es einen entsprechenden Mehrheitsbeschluss der Stadtverordnetenversammlung.

Am Dienstag reagierte auch der Rathaus-Pressesprecher: Eine Recherche der Hofheimer Wirtschaftsförderung habe „in der Tat“ ergeben, „dass eine frühere Generation der Smart City Trees in verschiedenen Städten, u.a. Braunschweig, aufgrund mehrerer technischer Defizite ausgetauscht werden mussten“, teilte Jonathan Vorrath mit und bestätigte damit den Bericht im Hofheim/Kriftel-Newsletter. Allerdings seien inzwischen Geräte einer neueren Generation auf dem Markt, „sodass die versprochene Wirkung nun gegeben ist“. Mittlerweile, so Vorrath weiter, „finden Smart City Trees u.a. in Lissabon, London oder Cork erfolgreich Anwendung“.

Das klingt richtig gut: London: 9 Millionen Einwohner; Lissabon: 3 Millionen Einwohner; Cork: 210.000 Einwohner; Hofheim…

Passt schon 😉

City Tree
Screenshot von der Webseite der irischen Tageszeitung „Irish Examiner“. Die Überschrift lautet: „Hecken würden sich schneller auf die Luftqualität auswirken als die ,Roboterbäume‘ von Cork, sagt ein Experte.“

„City Trees“: Fachmagazin äußert Zweifel an Studie

Als Journalist sollte man stets kritisch hinterfragen, was eine Behörde verbreitet. Deshalb haben wir nochmals im Rathaus angeklopft: Welche Belege liegen vor, dass die Geräte wirklich „die versprochene Wirkung“ zeigen?

Da wurd’s ganz still. Kein Anruf, keine E-Mail, die Stadtverwaltung reagierte nicht. Erst nach vier Tagen und zwei Aufforderungen meldete sich Sprecher Vorrath wieder. Schriftlich teilte er mit: „Der Hersteller kann die Wirkungsweise durch wissenschaftliche Labortests des ILK Dresden, des Leibnitz Institute for Tropospheric Research e.V. sowie des TÜV Süd belegen. Diese sind verifiziert durch Echtwelt-Tests im Zuge des EU Horizon 2020 Programms.“

Vorrath legte die Studien nicht vor. Der Verdacht: Er hat sie nicht vorliegen, und er hat sie schon gar nicht gelesen. Ansonsten hätte er die Unterlagen mit Sicherheit ganz tief in eine Schublade verbannt: Denn was in den Studien steht, kann kaum ernsthaft als Beleg für die „versprochene Wirksamkeit“ herangezogen werden.


Trendforscher Horx: „City Trees“ können deprimierend wirken

Die Darmstädter Lokalzeitung „Echo“ hat den bekannten Zukunfts- und Trendforscher Matthias Horx (betreibt in Frankfurt und Wien das „Zukunftsinstitut“) über Wege zu einer lebenswerten City interviewt. Eine Frage betraf den „City Tree“: Ob das Aufstellen eines solchen Geräts eine gute Idee sei, wollte die Zeitung wissen.

Antwort Horx: „Klingt ein bisschen verzweifelt. Das hat eher Prothesen-Charakter. So was kann auch deprimierend wirken. Es gibt dystopische Phantasien von verpesteten Städten, wo die digitalen Gasmasken Alarm schlagen.“


Das Fachmagazin „Neue Landschaft“ hatte genauer hingeschaut, die Bewertung der Studien fällt ernüchternd aus: „keine große Wirksamkeit“ lesen wir dort, „sehr ernüchternd“, „Zweifel an ihrer Funktionalität“…

In einem anderen Bericht heißt es: Der Hersteller halte die Behauptung nicht länger aufrecht, dass der Bio-Tech-Filter den Effekt von bis zu 275 Stadtbäumen habe. Zu der neuen Generation der „City Trees“ wird ausgeführt:

Zwar habe der Hersteller als Beleg für die neue Feinstaub-Filterleistung „eine Feldstudie des Leibnitz Instituts für Troposphärenforschung (Tropos) in Leipzig“ angeführt. Ein Faktencheck lasse jedoch Zweifel aufkommen: Die Feldstudie habe in einem nur locker bebauten Gebiet stattgefunden, mit wenig Verkehr.

Da wundert’s nicht, dass die Luft rein war. Im Hofheimer Rathaus ist man offenbar auf solche „Belege“ reingefallen?

„City Trees“: TÜV-Bewertung ist alles andere als positiv

Auch der Bericht von TÜV Süd, der angeführt wird, wurde im Rathaus vermutlich nicht gelesen. Der Sachverständige weist mehrfach darauf hin, dass sehr viele Daten zu Mooswachstum und Filterleistung nicht durch den TÜV validiert worden seien, es seien Angaben des Herstellers. Heißt: Eine Schlussfolgerung kann nur abstrakt, aber nicht belegbar sein.

Das TÜV-Fazit klingt nicht gerade überzeugend, es fängt so an: „Die Analyse zeigt, dass für den CityTree nach den Richtlinien der IPCC kein direktes GWP nachzuweisen ist, da kein Treibhausgas von dem CityTree herausgefiltert wird.“

Und diesen TÜV-Bericht führt Hofheims Rathaus allen Ernstes als positive Referenz für den „City Tree“ an?

Aus München liegt ein 32-seitiges Papier vor, erstellt vom „Referat für Gesundheit und Umwelt“. Überschrift: „Urbane Vegetation und Begrünungsmaßnahmen zur Verbesserung der Luftqualität“.  Auszüge:

(…) ist derzeit wohl eher davon auszugehen, dass die Umweltleistungen pro ,City Tree‘ etwa in der Größenordnung von zwei herkömmlichen Stadtbäumen liegen könnten. (…)

(…) Aus praktischen Gesichtspunkten sind Mooswände nicht zu empfehlen (…), und zur Pflege und Haltbarkeit der Wände liegen keine bzw. eher schlechte Erfahrungen vor. Dementsprechend stehen Kosten und Pflegeaufwand (z.B. Bewässerung) in keinem Verhältnis zum Nutzen. (…)

(…) Da insgesamt wenig Potenzial gesehen wird, die Luftqualität nennenswert zu beeinflussen, gleichzeitig aber verhältnismäßig hohe Anschaffungskosten und erhebliche praktische Unsicherheiten und Einschränkungen bestehen, ist aus lufthygienischen Aspekten eine Aufstellung der ,City Trees‘ nicht zu begründen. Die Potenziale der ,City Trees‘ liegen eher im Bereich der Stadtgestaltung und Bewusstseinsbildung.“

Wissenschaftler sprechen von Geldverschwendung

Aber da gibt’s ja noch die Städte, die mit den „City Trees“ angeblich zufrieden sein sollen: London, Lissabon und Cork nennt die Rathaus-Pressestelle, alle drei etwas größer als das 40.000-Seelen-Städtchen Hofheim, was aber, wie Jonathan Vorrath anmerkt, „für die Funktionsweise des City Trees nicht relevant“ sei.

Da hat er natürlich recht, auch wenn teure Maßnahmen zur Luftreinigung in echten Ballungsgebieten nachvollziehbarer erscheinen als am Fuße des Taunus. Doch stimmt das überhaupt, dass die „City Trees“ im Ausland „erfolgreich Anwendung“ gefunden haben?

Wir haben etwas genauer hingeschaut. In Lissabon stellt sich die Situation so dar: Die Geräte hat das deutsche Speditionsunternehmen DPD aufstellen lassen, um sich als umweltund klimabewusst zu präsentieren. Auch hier war die Installation laut Medienberichten umstritten. Dass DPD eines Tages echte Messdaten herausgibt, die die teure Installation womöglich als nutzlosen Werbe-Gag entlarven, ist kaum zu erwarten.

20220924 Twitter

Auf Twitter gesehen – Donal O’Keeffe schreibt dort: „Die 350.000 Euro teuren Robo-Bäume in Cork sind bereits außer Betrieb. Ein Mitarbeiter der Stadtverwaltung sagte mir, dass sie bereits zum zweiten Mal in dieser Woche ,neu kalibriert‘ werden mussten.“

Beispiel Cork: Das ist die zweitgrößte Stadt Irlands; die „City Trees“, die „Roboter-Bäume“ genannt werden, sind laut den lokalen Medien stark umstritten. Das Newsportal „Silicon Republic“ schrieb: „A costly and ineffectual gimmick“ – zu deutsch: Eine kostspielige und unwirksame Spielerei.

„Geldverschwendung oder ein wichtiger Beitrag zu sauberer Luft?“ fragte die landesweite Tageszeitung „Irish Examiner“. Zitiert wurde Dr. John Wenger, Chemie-Professor am University College Cork, der sich auf Atmosphärenchemie, Luftqualität und Klimawandel spezialisiert hat. Er sagte: „Dafür 350.000 Euro zu bezahlen, ist wirklich eine ziemliche Geldverschwendung. Ich denke, das Geld hätte sinnvoller für andere Möglichkeiten zur Verringerung der Luftverschmutzung ausgegeben werden können.“

Vor einigen Tagen erschien das Thema erneut in der Zeitung: Die Stadtverwaltung von Cork hatte versprochen, die Wirksamkeit der „Roboter-Bäume“ nach einem Jahr mit Daten zu belegen. Das Jahr ist um, Daten liegen nicht vor. „Den Stadträten wurde gesagt, dass die Luftqualität ein komplexes Thema sei und dass sie bis zum ersten Quartal des nächsten Jahres warten müssten“, schreibt die Zeitung. Sie erinnert auch daran: Im Mai letzten Jahres habe der Local Government Audit Service (Rechnungsprüfungsamt) die Stadtverwaltung für das Fehlen einer im Voraus durchgeführten Kosten-Nutzen-Bewertung bei den Ausgaben für die Geräte kritisiert.

20220924 Zeitung 1

Screenshot eines Berichts, den das britische Newsportal „Lad Bible“ veröffentlichte. Die Überschrift lautet übersetzt: „Demonstranten zerstören ,CityTrees‘, die in Cork zur Bekämpfung der Luftverschmutzung aufgestellt wurden“.

Wie kommt, so ganz ohne Daten, Hofheims Stadtverwaltung zu der Behauptung, dass „City Trees“ im Ausland „erfolgreich Anwendung“ gefunden hätten? Fakten finden sich dafür nicht, Wunschdenken dürfte die Fake-News formuliert haben.

Eine Kosten-Nutzen-Analyse ist übrigens auch hierzulande nicht bekannt. Bis heute wurde auch keine Untersuchung vorgelegt, die eine besonders hohe Schadstoff-Luftbelastung auf dem Kellereiplatz nachweist. Wie soll dann eines Tages die Wirksamkeit – oder das Nicht-Funktionieren – eines „City Tree“-Geräts nachgewiesen werden?

Und so erhärtet sich der Verdacht: Die Anschaffung des „City Tree“ ist auch in Hofheim nur eine kostspielige und unwirksame Spielerei einiger Stadtpolitiker, für die der Steuerzahler aufkommen muss.

* * * * *

Unser Foto oben veröffentlichte die Stadtverwaltung: Es zeigt Bürgermeister Christian Vogt, der von Minister Tarek Al Wazir (Grüne) 200.000 Euro aus dem Landesprogramm „Zukunft Innenstadt“ bewilligt bekam


Weg mit den Bäumen: Heinrichsweg wird Rettungsgasse

20220924 Heirnichsweg1
Warum Bäume gefällt werden mussten, die ein paar Meter vom Heinrichsweg gestanden haben: Das will die Stadtverwaltung auf auf Nachfrage nicht verraten.

Noch einmal das Thema Bäume, jetzt geht’s um echte Bäume: Am Heinrichsweg werden sie gefällt, reihenweise. Es sind gute, dicke, starke Bäume, sie sind auch völlig gesund. Aber angeblich sie stehen im Weg.

Der Hintergrund: Im nächsten Frühjahr muss die Landstraße L3011 zwischen Hofheim und Lorsbach gesperrt werden, komplett, für ein Jahr. Es stehen Bauarbeiten im Bereich der Klärwerkskurve an. Eine Vollsperrung über so lange Zeit bringt viele Probleme mit sich, eines davon: Wenn ein Lorsbacher einen Herzinfarkt kriegt, oder wenn im Dorf ein Feuer ausbricht – wie kommen Rettungsfahrzeuge möglichst schnell in das kleine Dorf?

Die Lösung: Sie sollen durch den Wald fahren, über den Heinrichsweg, der in Hofheim an der Burkartsmühle beginnt und in Lorsbach an der Talstraße endet. Die Landesbehörde „Hessen Mobil“ wird den Weg „mit einer hydraulisch gebundenen Tragdeckschicht versehen, so dass er auch bei schlechtem Wetter besser zu befahren ist“, teilte Hofheims Stadtverwaltung letztens mit.

Vorher braucht’s Platz. Deshalb fällen Forstwirte zusammen mit Unternehmen Bäume, die angeblich zu dicht am Weg stehen. Weshalb auch Bäume umgehauen werden, die etliche Meter vom Wegesrand entfernt stehen, wollte die Stadtverwaltung auf Anfrage nicht beantworten.

Die ganze Aktion „Straßenvollsperrung“ wird damit immer irrsinniger. Die Bauarbeiten an der L3011 werden nötig, weil im Bereich der Klärwerkskurve vor Lorsbach eine Stützmauer zum Mühlgraben neben der Fahrbahn einsturzgefährdet ist. Würde der Mühlgraben verrohrt, könnten die Vollsperrung der Straße erheblich verkürzt werden. Das lehnt die Behörde ab: Naturschutz!

Deshalb werden jetzt Bäume gefällt.

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Gesunde Bäume, dem Straßenausbau geopfert.
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Während der Fällarbeiten wird der Heinrichsweg gesperrt.
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Die Bäume sind verschwunden, eine breite Gasse entstand.

Hofheims Grüne drängen an die Tröge der Macht

Hofheims Grüne haben sich in der Öffentlichkeit etwas rar gemacht. Gut, ab und zu versuchen sie mit Anträgen in den politischen Gremien zu punkten. In der nächsten Sitzung der Stadtverordneten (Mittwoch, 28. September, ab 18 Uhr, Stadthalle) wollen sie zum Beispiel einen Trinkwasserbrunnen für die Innenstadt beantragen. Besonders originell ist das zwar nicht: Sie recycelten damit ihren eigenen Antrag aus 2019, der schon damals aus Kostengründen nicht durchkam. Bereits Anfang dieses Monats hatten auch CDU und SPD ähnliche Anträge im Ortsbeirat Kernstadt vorgetragen, auch da hieß es: kostet Zehntausende, ist viel zu teuer.

Aber man kann’s ja mal versuchen und wird hinterher mit einem freundlichen Zeitungsbericht bedacht…

Aber jetzt! Jetzt wollen die Grünen so richtig aus der Versenkung auftauchen: Sie möchten einen gut dotierten Posten haben! Wenn Hofheims 1. Beigeordneter Wolfgang Exner (CDU) in den Ruhestand geht, soll Daniel Philipp den Job kriegen. Das haben die grünen Stadtverordneten unter sich so ausgekungelt, das wurde über die Lokalzeitung lanciert. Jetzt muss der Ortsverband noch zustimmen – und eines Tages, nach Exners Abgang, müsste sich dann die Mehrheit der Stadtverordneten für Philipp entscheiden.

Drei Gedanken dazu:

1. Gedanke: Philipp ist Fraktionschef der Grünen im Hofheimer Stadtparlament und arbeitet in der Kreisverwaltung. Das ist die Behörde, für die gerade ein großer Erweiterungsbau errichtet wird, dessen Flachdach nicht für Photovoltaik genutzt wird, sondern als Luxus-Dachgarten dienen soll, mit exklusivem Zutritt nur für Behörden-Mitarbeiter.

Philipp ist Klimaschutzmanager im Landratsamt. Dass sich der Mann kritisch zu den Anti-Photovoltaik-Plänen der Behörde geäußert hätte, wurde nicht bekannt. Das Wohl der eigenen Verwaltung steht für den Mann erkennbar über den Interessen der Allgemeinheit.

Was bitte qualifiziert ihn denn dann für den Top-Job im Rathaus? Philipp sagt laut Kreisblatt: Als Stadtrat könne er wichtige Inhalte „zum Wohl von Umwelt und Klimaschutz für alle Hofheimer Bürgerinnen und Bürger erreichen“.

Ein solcher Spruch muss, in Anbetracht seines bisherigen (Nicht-)Wirkens, als billiges Polit-Geklappere gewertet werden.

Deshalb nochmal: Was spricht eigentlich für den Mann?

2. Gedanke: Vermutlich haben die Grünen ja gar nicht die bestmögliche Besetzung der Rathaus-Spitze im Sinn. Vermutlich verfolgen sie einen ganz anderen Plan: Sie wollen an die Tröge der Macht. Dafür müssen sie noch, wie gesagt, die Mehrheit der Stadtverordneten gewinnen. Aber das ist ja vielleicht machbar:

Aktuell ist die Situation im Hofheimer Stadtparlament etwas schwierig. In der Regierungskoalition hatte sich die einst machtvolle CDU zuerst mit SPD, FDP und FWG zusammengetan. Dann wollte die SPD nicht mehr, und seither fehlt der geschrumpften Koalition eine Stimme zur Mehrheit.

CDU-Strategen umtreibt deshalb schon seit längerer Zeit die Idee: Wie wär’s, wenn man sich – wie schon die CDU im hessischen Landtag – mit den Grünen zusammentäte? Auch wenn man in Sachfragen oftmals weit auseinander liegt, ein Deal müsste machbar sein: Die Grünen wollen den Posten des 1. Beigeordneten – den kriegen sie. Im Gegenzug müssen sie bei Sachthemen kuschen. Herzensprojekte der CDU – etwa mehr Freiraum für Investoren, kein Schutz für Bäume, freie Fahrt für Autos etc. – könnten fortan gedeihen.

Und vielleicht kriegt die CDU dann auch noch ihr neues Lieblingsprojekt durch, das Hotel an der Elisabethenstraße. Im Gegenzug bekämen die Grünen, wenn’s denn unbedingt sein muss, ihren Trinkbrunnen

3. Gedanke: Wäre eine Frau nicht die bessere Wahl? Nur Männer an der Spitze der Verwaltung – das müsste ehrbaren Grünen eigentlich sauer aufstoßen. Zumal die Männerwirtschaft im Rathaus die Stadt nicht erkennbar nach vorn gebracht hat, eher im Gegenteil.

Bürgermeister Christian Vogt sagte unlängst, seine CDU als größte Fraktion werde zur Exner-Nachfolge einen Personalvorschlag machen, „der auch fraktionsübergreifend eine Mehrheit finden wird“.

Vorschlag, Herr Vogt: Wie wäre es mit einer Kandidatin? Auch wenn der ein oder andere Parteifreund meint, es sei keine geeignete, nicht mal eine willige Frau in der CDU-Stadtpartei zu finden:

Wie wär’s mit einer Frau von außen? Die CDU würde gewinnen – und für die Stadt Hofheim wäre eine solche Besetzung bestimmt eine echte Bereicherung!

Die gute Nachricht: CDU will saubere Innenstadt

20220924 innenstadt
Hofheims hat ja eine schöne Innenstadt, nur genauer hinschauen sollte man bitte nicht. Im Bild: die Schmuddel-Ecke Hauptstraße/Am Untertor.

Wir hatten das Thema ja schon des Öfteren, jetzt ist es auch bei den Parteien angekommen: Hofheims Innenstadt wirkt zunehmend schmuddelig. Zu viele Tauben, Unkraut auf Gehwegen, verschmutzte Sitzbänke, lose Pflastersteine… Dem Männer-Trio an der Rathausspitze mag so etwas nicht auffallen, aber Beate Faust von der CDU hat jetzt genug: „Ansehen und Aussehen unserer Innenstadt hat immer zu tun mit Ordnung, Sauberkeit, Möblierung und Blumenschmuck“, formulierte sie für einen Antrag, den sie im Ortsbeirat Kernstadt einbrachte. Und das ist ihre Forderung:

Die Verwaltung soll eine Bestandsaufnahme erstellen für die Hauptstrasse von Volksbank bis Ende Fußgängerzone sowie von der Wasserrinne am Alten Bach bis zum Kellereiplatz. „Dem Ortsbeirat ist zeitnah das Ergebnis und ein Vorschlag über die Behebung der Schäden mit Zeitschiene zugänglich zu machen.“

Im Ortsbeirat waren alle einverstanden: Antrag einstimmig angenommen! Jetzt bleibt abzuwarten, was die Herren in der Verwaltung unter „zeitnah“ verstehen…

10 Comments

  1. Hartmut Hebling

    Vermeiden, einsparen und Bäume pflanzen! Sagt George Monbiot.

    Unser Physikprofessor Dr. Seifert sagte uns frischen Landespflege-Studierenden gleich am Anfang etwa 1992 in Geisenheim:

    „Wenn Ihr jetzt im Studium oder später im Beruf denkt, mit mehr Technik bekommt man mehr natürliche Verhältnisse zurück, dann seid ihr schief gewickelt!“

    Er hat sich in seiner Karriere mit der katalytischen Luftreinigung bis zum Doktor hochgearbeitet, aber dann für eine Lehrtätigkeit rund um die Umwelt aus tiefer Erkenntnis entschieden.

    Ich denke in der Hofheimer Situation würde er wahrscheinlich nüchtern sagen:

    „Wenn nur ein City-Tree aufgestellt werden soll, ist davon auszugehen, dass die Umweltbelastung sich überschaubar darstellt und damit auch mit Grünplanung im Umfeld ausglichen werden kann…“

    Ladet die Natur zur Mitarbeit ein… Pflanzt paar schöne Bäumchen, legt Beete an, begrünt Gebäude, spart Geld und kümmert euch um die Stadtbildpflege – aber immer schön mit Hand, Herz und Kopf, Kinners!

    24. September 2022
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  2. Einer

    zum Ausbau des Heinrichsweges,

    unabhängig davon, dass in in der naturschutzrechtlichen Bewertung zum Mühlgraben Haselnusshecken als schützenswert bezeichnet wurden!!!????,

    wäre es wohl gegenüber den Kreisbehörden nie gelungen den Heinrichsweg, für die Stadt wahrscheinlich sogar kostenfrei, auszubauen.

    Wenigstens können dann die Lorsbacher Kinder mit dem Fahrrad nach Hofheim zur Schule fahren,

    wenn es die Stadt denn schafft, den Weg in den Folgejahren zu erhalten…..

    was das alles kostet, nur weil Hessen mobil zu doof ist, die Flächen des Mühlgrabens zu vereinnahmen, den Bach in Rohr zu legen und fertig….

    25. September 2022
    |Reply
  3. Hartmut Hebling

    Stets Naturfreund, aber manchmal auch Anwalt von Massnahmen: Fällungen am Heinrichsweg…

    Vielleicht kann ich als außenstehender Grünbereichler helfen:

    1) Verkehrsicherung
    2) Waldsaum
    3) CO2-Bindung

    So wie es aussieht, wird der zugelassene Verkehr auf dem bisher eher untergeordneten Weg deutlich zunehmen, und damit gerät die Geschichte in eine andere Sicherheitskategorie: Bei einem Nebenweg ist das Unfallrisiko zum Beispiel durch Astbruch oder Baumfall einfach geringer, weil die Benutzerfrequenz viel niedriger ist.

    Am Heinrichswege wird sich Art und Frequenz der Benutzung deutlich ändern, so dass ein größerer Abstand zwischen Benutzer und Bäumen am Hang das Risiko mindert. Großbäume am Hang sind generell weniger standsicher. Verkehrssicherung hat Priorität.

    Zweitens: Der Hofheimer Wald/Forst hat ein Jahrzehnte altes Strukturproblem. Es sind von früher her wenig artenreiche Waldsäume angelegt und gefördert worden, in der Gemarkung grenzt der Hochwald oft direkt an Straßen, Wege und Ähnliches.

    Der Eingriff am Heinrichsweg ist schmerzlich, aber ich gehe davon aus, dass hier ein Waldsaum aufgebaut wird.

    Übrigens sind solche biodiversen Randstreifen gesetzlich schon lange gefordert. Sie bieten Artenreichtum, Aufenthalt für Tiere, sind deren Kinderstube und Nahrungsquelle… deutlich besser als ein reiner Hochwald.

    Zur Abmilderung der Klimafolgen ist das ein Beitrag, weil sie den dahinterliegenden Forst vor Windangriff schützen und eine Erosionsbremse bei Starkniederschläge darstellen, besonders an Böschungen.

    Zum Schluss: Es ist davon auszugehen, dass das Holz energetisch verwertet und das vermutlich gehächseltes Astwerk entweder im Wald bleibt oder der Kompostierung zugeführt wird.

    Natürlich produzieren große Bäume Sauerstoff und haben Kohlenstoff gespeichert. Aber ähnlich wie bei den freiwachsenden Landschaftshecken in Norddeutschland, fördert ein Auf-Stock-Setzen mit seinem nachfolgenden starken Massewachstum extrem die CO2-Bindung in der Frischmasse. Bei Altgehölze in der Klimax-Phase nimmt der CO2-Umsatz ab. Mittlerweile wird es wissenschaftlich untersucht, wie regelmäßige Gehölzumtriebe und die Nutzung der geernteten Biomasse einen Beitrag zum flotten C02-Entzug und Einsparung von fossilen Energieträgern leisten können. Das darf man natürlich nicht überall machen, sondern bewusst eingesetzt, zum Beispiel an schwierigen Stellen, so wie zum Beispiel dem Heinrichsweg.

    War der Erklärungsversuch hilfreich? Es muss einfach mehr gesprochen werden: Umweltschutz ist nicht schwarzweiß und braucht Gesellschaft.

    25. September 2022
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    • Eberhard Schmidt

      zu „Weg mit den Bäumen…Heinrichsweg“:

      Ein Naturdrama. Immer wieder betont man, man kämpfe um jeden Baum. Leider verlieren die Bäume immer wieder!

      In der Ankündigung der Sperrung des Heinrichswegs wurde mitgeteilt, dass der Forst/Förster darauf achten wird, dass nur Bäume gefällt werden, bei denen es unbedingt nötig ist. Das klingt nicht nach einem derart massiven Eingriff und von biodiversen Randstreifen (s. Kommentar Hebling) war dort auch keine Rede.

      Wie die Nutzung mit Publikum und Einsatzfahrzeugen überhaupt funktionieren soll, wurde bislang nicht erklärt. Bisher nutzen den – mit Kurven unübersichtlichen Weg – Fußgänger, Radfahrer, Kinder, Wanderer, ältere Menschen, Reiter, geführte Pferde. Wie soll das dann gefahrlos funktionieren? Wie wird verhindert, dass der Weg zum Schleichweg wird? Oder wird dieser Weg dann auch gesperrt? Sollte sicher alles vor der Holzaktion geklärt sein. Oder?

      25. September 2022
      |Reply
      • Einer

        na ja,

        ich gehe immer am Rettershof joggen, hoch nach Ruppershain und durch den Wald wieder zurück.

        Weil die Strasse von Fischbach nach Ruppertshain wegen Renovierung gerade gesperrt ist, darf die Feuerwehr durch den Wald fahren. Die kam mir hier mit Blaulicht entgegen Da half nur noch der gewagte Sprung in die Büsche….

        So geht das dann auf dem Heinrichsweg auch, nur wahrscheinlich häufiger…..

        26. September 2022
        |Reply
  4. Matthias Kreß

    Liebe Leserinnen und Leser des HK-Newsletter: Verleihen Sie der Stimme gegen den Schildbürgerstreich Gewicht und „unterschreiben“ Sie die Online-Petition des „Aktionsbündnis L3011“: https://www.openpetition.de/petition/online/buergerbegehren-gegen-1-jahr-vollsperrung-der-l3011-zwischen-lorsbach-und-hofheim

    Es kann nicht sein, dass ein Betriebsgraben nicht verrohrt werden darf…

    …aber gleichzeitig ein funktionierender See am Kreishaus zugeschüttet werden durfte!

    Es kann nicht sein, dass Bäume und Hecken in der Klärwerkskurve erhalten werden müssen…

    …und gleichzeitig am Heinrichsweg reihenweise Bäume gefällt werden!

    Es kann nicht sein, dass eine Umfahrung über einen Teil des Heinrichswegs ab Klärwerk nicht sein darf…

    …aber gleichzeitig der gesamte Weg hydroverdichtet wird!

    Es kann nicht sein, dass eine Baustelle nicht im Zwei-Schicht-Betrieb und mit vorgefertigten Betonkörpern angedacht wird, um Zeit zu sparen…

    …und gleichzeitig enorm mehr CO2-Ausstoß durch Umfahrungen hingenommen wird!

    Man fragt sich ernsthaft wo da der GRÜNE Gedanke ist.

    Man fragt sich ernsthaft, ob die Politik dieser Tage noch ihrem Auftrag gerecht wird, den Nöten und Bedürfnissen ihrer Bevölkerung, die sie wählt, gerecht zu werden.

    Oder ob nur noch Behördenklüngel angesagt ist.

    HELFEN SIE MIT IHRER UNTERSCHRIFT BEI DER PETITION!

    Vielen Dank.

    25. September 2022
    |Reply
  5. Hartmut Hebling

    Liebe Freunde,

    ich möchte klarstellen, dass meine Meldung zur Rodung oder Rückschnitt an der Wegeböschung keine Rechtfertigung und Billigung der Gesamtgeschichte sein soll und meine Freude über die Gehölzrodung sich eher sehr sehr in Grenzen hält. Es ist ein Erklärungsversuch im Zusammenhang mit der kommenden Verkehrsumleitung.

    In meinem jahrzehntelangen grünen Berufsalltag war ich oft an Maßnahmen ähnlicher Art beteiligt. Als Bewirtschafter öffentlicher oder halböffentlicher Räume befindet man sich oft im Netz der Bindungen und Zwänge und muss oft fast wie ein zarter Metzger agieren.

    Wichtig ist ein echter Ausgleich und ein gutes Gleichgewicht im ökologischen Haushalt, die Nahbereiche eines Eingriffs und über die Gesamtfläche in einem zeitlichen nahen Zusammenhang sowie offene und gute Ausssprache dazu, ohne geschlossene Helmvisiere… bin gespannt auf die offizielle Stellungnahme.

    Wer einen Verkehr eröffnet oder zulässt, ist für die Verkehrssicherung zuständig. Je stärker die Nutzerfrequenz und je schneller die Geschwindigkeiten, desto breiter die Abstandsflächen – das ist die Grundregel. Falls es Bedenken bei der straßenbegleitenden Landschaft gibt: Großgehölze am Hang sind deutlich weniger standsicher, und hier wird ein eingeschränkter gemächlicher Wirtschaftsweg zu einer Art öffentlichen Straße umgewidmet, wenn auch temporär, statt ein gelegentlicher Forstschlepper- und Fußgängerweg zu bleiben. Haftungsfragen sind jedoch bei der Verkehrssicherungspflicht knallhart und an eine nachzuweisende Gefährdungsbeurteilung gebunden, dabei wird eine mögliche Schadensschwere ins Verhältnis zur Eintrittswahrscheinlichkeit gebracht… Dieses Risiko erhöht sich hier und wurde bestimmt durch eine Behörde reklamiert.

    Letztendlich wird ein Wald als Forst angesehen und nicht als reine Natur… so quasi als ein Acker in langfristiger Kultur mit Bäumen zur Nutzung drauf. Die Gesetze sehen einen hier einen eingeschränkten Naturschutz vor – dass ist auch der Grund, wieso die Haselnuss-Hecken an der Straße anders behandelt werden; sie sind keine Bestandteil eines Forstes.

    Leider ist es besonders in Deutschland so: Was aus einiger Distanz Recht locker wirkt, wird bei Annäherung echt kompliziert.

    26. September 2022
    |Reply
  6. Hartmut Hebling

    Ergänzung:

    Mehr Licht! sagen Goethe und manche Ämter… Es reicht schon ein offizielles Bedenken in der Richtung:

    Für gemischtes Verkehrsaufkommen aus Kraftfahrzeugen, Fahrrädern und Fußgängern auf einer gemeinsam genutzten Trasse, ohne baulich abgetrennten Fußweg, wird die nächtliche Beleuchtungsstärke die Richtlinie zur Verkehrssicherheit nicht erfüllen, besonders da keine technische Einrichtung zur Beleuchtung vorgesehen ist. Der beidseitig überhängende straßenbegleitende Bewuchs wirkt stark abdunkelnd.

    Zack: Verkehrssicherungspflicht!

    26. September 2022
    |Reply
    • Eberhard Schmidt

      Naja! Von all dem hat man bisher von der Stadt nichts gehört. Ich befürchte, dass man jetzt in einer Hauruckaktion erst mal Bäume fällt und später feststellt, beides – Publikumsverkehr und Rettung/Feuerwehr – geht, aus welchen Gründen auch immer, nicht. Die Bäume sind dann gefällt und dieser Weg wird im schlimmsten Fall auch noch gesperrt. Außerdem frage ich mich, warum HessenMobil jetzt noch nachgeben soll? Mit dem Weg ist doch aus deren Sicht alles geregelt. Das Problem ist also wieder bei den Bürgern.

      26. September 2022
      |Reply
  7. Einer

    na ja, das ganze Thema Mühlgraben ist aus meiner Sicht ein Komplettversagen aller beteiligten Institutionen und Personen….

    Es könnten sich ja auch einmal die Eigentümer des Mühlgrabens klar zu einer dauerhaften Verrohrung bekennen, um Leid von den Talbewohnern zu nehmen…..

    aber nix

    26. September 2022
    |Reply

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