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Chaos im Krankenhaus: Pleite droht – und der neue Chef will nur Teilzeit arbeiten

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Den Varisano-Kliniken fehlen Millionen! Schon macht das Wort „Pleite“ die Runde, über die Schließung von ganzen Abteilungen wird gemunkelt – die Patientenversorgung in Hofheim ist in akuter Gefahr. Kürzlich wurde wieder ein neuer Geschäftsführer eingestellt, der angeblich die Wende bringen soll. Was keiner erfahren sollte und deshalb bei der offiziellen Vorstellung des Mannes verschwiegen wurde: Er will hier nur einen Teilzeitjob machen. Er will nebenbei für andere Unternehmen arbeiten, dazu verkauft er unweit von Hofheim allerlei Leckereien. Report über einen Klinik-Konzern, in dem ziemlich viel Chaos herrscht: Wer ist verantwortlich – und wie soll es nur weitergehen?

Die Situation klingt nicht nur dramatisch, sie ist es auch. „Klinikverbund Varisano häuft Verluste von 160 Millionen Euro an”, schrieb „kma”, ein Fachmagazin für Krankenhaus-Manager. „Klinik-Verbund droht die Pleite”, schlagzeilte die Frankfurter Rundschau. Und das Kreisblatt titelte: „Dem Klinikverbund Varisano geht das Geld aus”.

Vor zwei Wochen wurde ein neuer Geschäftsführer eingestellt. Sein Name: Michael Osypka. Gegenüber Behörden gibt er seinen Vornamen auch schon mal mit „Michael Maria“ an, in diesem Monat wird er 60 Jahre alt.

In einer Klinik-Pressemitteilung zu seinem Amtsantritt wird der Mann in den höchsten Tönen gelobt: Er sei „ein erfahrener Krankenhausmanager“, „ein Experte, der das Know-how für die aktuellen Herausforderungen einbringt“, „hervorragend in der Krankenhauslandschaft vernetzt“, „in der Region verwurzelt“

MTK-Landrat Michael Cyriax begrüßte den neuen Varisano-Chef mit den Worten: Es sei wichtig, dass der Klinik-Verbund durch die Geschäftsführung entschlossen gesteuert werde – das sei auch ein wichtiges Signal für die Beschäftigten.

In der Pressemitteilung, nachzulesen hier, wurden allerdings wichtige Informationen zu Herrn Osypka unterschlagen. Erstmals werden sie in diesem Bericht genannt – auch das dürfte ein wichtiges Signal für die Beschäftigten sein: So erfahren sie, wie’s wirklich um „ihr“ Krankenhaus steht – und um ihren neuen Chef.

Sie müssen jetzt ganz stark sein.

Teurer Phantasiename brachte keine Verbesserung

Um das Ausmaß des klinischen Katastrophenzustands zu begreifen, müssen wir etwas ausholen:

3.800 Mitarbeiter arbeiten in den Kliniken in Hofheim, Bad Soden und Frankfurt-Höchst. Sie gehören dem Main-Taunus-Kreis und der Stadt Frankfurt.

2016 wurden sie zu einem Unternehmen namens „Kliniken Frankfurt-Main-Taunus GmbH“ zusammengeschlossen.

2022 gab man sich für viel Geld – über 220.000 Euro – den Phantasie-Namen „Varisano“. Der Öffentlichkeit wurde das im feinsten Marketing-Sprech so verkauft: Man wolle „die Zukunftsperspektiven unserer Einrichtungen im dynamischen Umfeld weiter verbessern“.

Ein Jahr später wissen wir: So richtig gelungen ist das nicht.

Krankenhaus Hofheim
Das Portal zum Krankenhaus Hofheim: 220.000 Mark kostete es, die früheren MTK-Kliniken und das Klinikum Höchst in „Varisano“ umzubenennen.

Der Krankenhaus-Konzern wäre heute pleite, wenn nicht die öffentliche Hand – also wir Steuerzahler – regelmäßig Millionen nachschießen würde. Die Gründe für das finanzielle Desaster? Corona-Folgen, heißt es. Die bekannten Steigerungen bei den Personal-, Sach- und Energiekosten. Dazu Personalmangel, weshalb Betten leer blieben, weshalb Einnahmen fehlten

In der freien Wirtschaft gelten Fehler des Management oftmals als mitverantwortlich für eine unternehmerische Schieflage. Davon wurde hier bisher nicht geredet, zumindest nicht öffentlich.

Beruhigungspillen für die Bevölkerung

Verantwortlich für die Kliniken im Main-Taunus-Kreis ist der MTK-Kreistag, in dem ein Bündnis aus CDU, Grünen und FDP das Sagen hat. In den Aufsichtsrat der Kliniken, der die Arbeit der Geschäftsführung überwachen sollte, schickte die Kreistags-Koalition statt ausgewiesenem Sachverstand die verbeamtete Behördenleitung: Landrat Michael Cyriax (CDU) sowie die Kreisbeigeordneten Madlen Overdick (Grüne) und Johannes Baron (FDP).

Angesichts immer neuer Hiobsbotschaften aus der Finanzabteilung des Krankenhaus-Konzerns wirken die Kreistagspolitiker inzwischen wie vollnarkotisiert. Gleichzeitig werden der Bevölkerung verbale Beruhigungspillen verabreicht. So schreiben die MTK-Grünen auf ihrer Webseite: Es sei „auch in der aktuellen Situation oberstes Prinzip, weiter wie bisher besonnen und verantwortungsbewusst die Gesundheitsversorgung der Menschen im Main-Taunus-Kreis zu sichern“. Das sei „konstruktiv“, „lösungsorientiert“, „realistisch“, „zukunftsfest“

Besonnen & verantwortungsbewusst, konstruktiv & zukunftsfest: Die Realität hat diese Polit-Phrasen längst als platt und hohl entlarvt. Tragfähige Konzepte, die den finanziellen Absturz der Kliniken stoppen und ihre Zukunft sichern könnten, sind bis heute nicht erkennbar. Stattdessen fließt weiter das Geld der Steuerzahler, als hätten wir im Übermaß davon:

Der MTK-Kreistag genehmigte unlängst acht Millionen Euro als Verlustausgleich“.

Bis Ende 2024, heißt es, würden den Kliniken rund 90 Millionen Euro fehlen, knapp die Hälfte davon muss der Main-Taunus-Kreis aufbringen.

Und es geht weiter. Bis 2028 werden Verluste in Höhe von rund 160 Millionen Euro erwartet – Stand heute. Ob das wirklich alles ist?

Wenn sich bis zur Umsetzung der Reform nichts ändert, besteht die ernsthafte Gefahr, dass zunächst das Krankenhaus in Hofheim, dann das in Bad Soden und dann das in Höchst vom Markt verschwinden.

Georg Schulze von Verdi Hessen in der FNP vom 11. September

Die Frankfurter Rundschau berichtete, dass die Zusammenlegung von Stationen nicht mehr ausgeschlossen werde. Auf den Fluren des Krankenhauses tuscheln sie, der Notfallambulanz in Hofheim drohe die Schließung, intern werde bereits an Formulierungen gearbeitet, wie man die unpopuläre Entscheidung den Menschen in der Kreisstadt vermitteln könne.

Mit der Verkündung der schlechten Nachrichten, heißt es auch, solle auf jeden Fall noch ein bisschen gewartet werden – bis nach den hessischen Landtagswahlen, die Anfang Oktober stattfinden.

Opposition will mit Aktionsbündnis die Kliniken retten

Neuerdings versucht die Kreistags-Opposition, Druck zu machen und die Verantwortlichen wachzurütteln: Gewerkschafter und Linke haben ein „Bündnis für eine sichere Gesundheitsversorgung im Main-Taunus-Kreis und im Frankfurter Westen“ gegründet. Zu den Unterzeichnern gehören auch Michael Antenbrink, der Vorsitzende der MTK-SPD, und Philipp Neuhaus, der SPD-Fraktionsvorsitzende im Kreistag. Einige Grüne und Vertreter des Marburger Bundes hätten sich ebenfalls angeschlossen, heißt es.

Landrat Michael
Landrat Cyriax informierte die Kreistagsabgeordneten sehr spät über die Millionen-Verluste. Foto: MTK

Der Zusammenschluss soll ein Weckruf sein – und ist zugleich Protest gegen das Vorgehen von MTK-Landrat Michael Cyriax. Der informierte die Kreistagsabgeordneten über den Notstand der Kliniken erst, als es unausweichlich war:

Das gewaltige Millionen-Defizit sei bereits im Mai dieses Jahres intern bekannt gewesen, wusste die FAZ. Der Aufsichtsrat sei damals umgehend zu einer Sondersitzung zusammengekommen.

Die Millionen-Verluste wurden danach noch wochenlang unter der Decke gehalten, wofür es im Rückblick nur eine Erklärung gibt: Im Main-Taunus-Kreis standen Landratswahlen an. CDU-Mann Cyriax wollte seine Wiederwahl nicht mit schrecklich schlechten Krankenhaus-Zahlen gefährden.

Selbst als am 26. Juni der MTK-Beteiligungsausschuss tagte, jenes Gremium des Kreistags, das für die Krankenhäuser zuständig ist, wurde über das Ausmaß des finanziellen Dramas nicht informiert – obwohl ein Klinik-Geschäftsführer anwesend war. Im Protokoll der Sitzung heißt es lediglich: Es sei „kein ausgeglichenes Jahresergebnis zu erwarten”, und „aktuell bestehe ein Liquiditätsbedarf”.

Erst im Juli erfuhren die MTK-Kreistagsabgeordneten die bittere Wahrheit: In einer „Tischvorlage“ wurden ihnen die Millionen-Verluste „kurzfristig untergejubelt“ (ein Kreispolitiker). Es blieb keine Zeit, sich damit auseinanderzusetzen: Die Millionen mussten schleunigst bewilligt werden. Sonst wären die Kliniken am Ende gewesen.

Das Aktionsbündnis hat inzwischen einen Forderungskatalog vorgelegt, in dem es unter anderem heißt: Eine solide Bedarfsanalyse sei dringend vonnöten, um die „unumgängliche Restrukturierung“ vorantreiben zu können. Gleichzeitig müsse die Personalnot endlich beseitigt werden, sonst könnten die Einnahmen nicht verbessert werden. Auf jeden Fall müssten alle drei Kliniken bestehen bleiben – „als Teil der Notfallversorgung und öffentlichen Daseinsvorsorge“.

Vertreter von SPD, Linken und Die Partei verlangen zudem in einem gemeinsamen Antrag Auskunft darüber, wie es zu der finanziellen Schieflage kommen konnte, warum nicht rechtzeitiger eingegriffen wurde und welche Frühwarnmechanismen nicht funktionierten.

Das alles hört sich recht vernünftig an. Von den verantwortlichen Politikern von CDU/Grünen/FDP hören wir: nichts. Wenn sie nicht bald zu Potte kommen:

Es könnte ein Ende mit Schrecken geben.

Krankenhaus-Dilemma: 7 Geschäftsführer in 7 Jahren

Wenn wir uns die Vorgänge in den Kliniken etwas genauer anschauen, entdecken wir einen möglichen weiteren Grund für die desaströse Lage: In der Geschäftsführung herrscht ein Kommen und Gehen. Der Verdacht, dass sich das Elend der Kliniken auch mit der Qualität des Managements erklärt, scheint nicht ganz unbegründet:

In den letzten sieben Jahren gab es sieben Geschäftsführer in dem Klinik-Konzern. Nachhaltige Unternehmensführung sieht anders aus.

2016 kam Dr. Thomas Steinmüller (64) und blieb gerade mal einen Monat. An seiner Seite damals: Dr. Tobias Kaltenbach (63), der 2018 ging. Dritte im Bunde war Dr. Dorothea Dreizehnter (58), die es immerhin bis 2020 aushielt.

2018 wurden mit Martin Menger (64) und Stefan Schad (41) zwei neue Geschäftsführer eingestellt.

Menger verließ das Unternehmen Anfang dieses Jahres. Für ihn folgte Patrick Frey (47).

Mit schlechter Bezahlung lässt sich die Fluktuation in der Geschäftsführung kaum erklären. Menger beispielsweise bekam mehr als 360.000 Euro im Jahr. Das liegt deutlich über dem Grundgehalt des Bundeskanzler. 

Kürzlich hat Schad – Jahresgehalt des 41-Jährigen: rund 250.000 Euro – seine Kündigung eingereicht. Er hat einen neuen Job gefunden: Er heuerte bei einem Beratungsunternehmen an. Das wird ihn künftig für teures Geld an notleidende Kliniken „ausleihen“, die er dann sanieren soll.

Nun sollen wohl andere an ihn glauben.

Der neue Geschäftsführer hat noch drei weitere Jobs

Als Nachfolger von Schad – und damit neuer zweiter Geschäftsführer neben Patrick Frey – wurde jetzt Michael Osypka vorgestellt. Man kennt sich aus früheren Jahren gemeinsamer Arbeit. Best Buddies eben.

Osypka Michael Varisano
Michael Osypka wurde Ende August 2023 Geschäftsführer in Teilzeit im Varisano-Klinikverbund. Foto: Varisano

Branchenkenner staunten über die Wahl des Neuen: Kann der bald 60-jährige Osypka wirklich für eine Wende sorgen? Großes Fragezeichen! Dem Mann eile der Ruf voraus, ziemlich umtriebig zu sein, sagt ein Krankenhaus-Fachmann, „der verbreitet gerne viel heiße Luft“.

Auf der Varisano-Internetseite wird Osypka mit allerlei Nettigkeiten vorgestellt: Er sei verheiratet, habe zwei Kinder und lebe in Frankfurt… Die wichtigste Information aber wird verschwiegen:

Osypka ist noch in drei(!) anderen Firmen als Geschäftsführer tätig.

Seit Mitte 2021 ist er bei der Gesundheitszentrum Spaichingen GmbH beschäftigt. Das Unternehmen, 300 Kilometer von Hofheim entfernt, gehört dem Landkreis Tuttlingen. Auf der Webseite wird Osypka mal Geschäftsführer, mal Bevollmächtigter der Gesellschaft genannt.

Erst vor wenigen Monaten – im Mai dieses Jahres – übernahm er dazu einen Job bei der HRZ Krankenhaus Verwaltungs GmbH in Schwetzingen: Auch hier stieg er als Geschäftsführer ein, nachzulesen im Amtsgericht Mannheim unter dem Firmen-Code HRB 732475. Osypka zeichnet für eine Psychiatrische Tagesklinik in Bad Säckingen zuständig. Die Kleinstadt liegt direkt an der Grenze zur Schweiz, 360 Kilometer sind’s bis dahin.

Für 100.000 Euro „Genusswerk“ eingerichtet

Vor wenigen Jahren war der Mann noch als Geschäftsführer für das Flörsheimer Marienkrankenhauses zuständig. Es war ihm kein Erfolg beschieden: Das Haus wurde geschlossen.

Flörsheim aber muss es dem Krankenhaus-„Sanierer“ angetan haben: Kurz vor Weihnachten 2021 meldete Osypka eine Unternehmergesellschaft beim Handelsregister in Wiesbaden an (HRB 33230), ernannte sich selbst zum Geschäftsführer und eröffnete im Bahnhofsgebäude des 20.000-Einwohner-Städtchens den Laden „Genusswerk”.

Backgenuss Floersheim 2
Das Caféhaus der „Genusswerk UG (haftungsbeschränkt)“ in Flörsheim. Als Geschäftsführer im Handelsregister eingetragen: Michael Osypka.

Es handelt sich um ein Caféhaus mit Backwaren, einem überschaubaren Weinangebot und wenigen Lebensmitteln. 100.000 Euro will Osypka nach eigenen Angaben investiert haben, abends sollte sich der Laden in eine Wein- und Tapas-Bar verwandeln. „Ich werde auch ab und zu hinter der Theke stehen“, ließ er via Lokalzeitung verbreiten. Denn: „Gastronomie und Wein waren schon immer mein Faible.“

So richtig gut läuft das „Genusswerk“ wohl nicht. Vor einiger Zeit kündigte Osypka an, er werde den Bahnhof trotz seiner hohen Investitionen wieder räumen. Mit seinem „Genusswerk“ wolle er in das neue Gesundheitszentrum umziehen. Die Location kennt er: Sie befindet sich im ehemaligen Flörsheimer Marienkrankenhaus, das derzeit umgebaut wird.

Gleichzeitig bemüht sich der Mann gerade verstärkt, im Internet Kundschaft für seine Leckereien zu finden: Er richtete einen Online-Shop ein, über den er seine hochpreisigen Lebensmittel und alkoholische Getränke zu verkaufen versucht.

Seine Bezahlung will der neue Chef nicht verraten

Der Hofheim/Kriftel-Newsletter hatte dazu einige Fragen an die Varisano-Pressestelle geschickt: Wie soll ein Mann mit so vielen Jobs es schaffen, einen schwerkranken Krankenhaus-Konzern aus der Krise zu führen?

Daraufhin meldete sich Herr Osypka persönlich per Telefon. Er räumte ein: Ja, er arbeite nicht in Vollzeit für die Kliniken. Vereinbart seien nur drei Tage pro Woche. Er sei auch nicht festangestellt, sondern im Auftrag des Beratungsunternehmens Diomedes im Einsatz.

Über seine weiteren Jobs – Osypka nannte sie „Projekte“, es soll noch mehr geben, er will sie aber nicht nennen – habe er den Aufsichtsrat informiert. Man könne sicher sein, dass er sich seiner Verantwortung bewusst sei und der Gesellschaft mit seiner ganzen Kraft zur Verfügung stehen werde: „Ich bin an sieben Tagen erreichbar, rund um die Uhr.“

Was kostet denn sein Halbtags-Job dem Klinik-Verbund? 200.000 Euro? Oder eher 300.000 Euro pro Jahr (die Beratungsfirma will schließlich auch mitverdienen)? Dazu will er nichts sagen: „Keine Auskunft“.

Dass er nebenbei in Flörsheim ein Caféhaus betreibt, nun, das sei sein Hobby, dafür habe er Personal. Seine Aussage, er werde ab und zu hinterm Tresen stehen, solle man nicht ernst nehmen: „Das habe ich doch nur so zu einem Lokalredakteur gesagt.“

Nach den Landtagswahlen wird’s Veränderungen geben

Und dieser Mann soll jetzt neben seinen vielen Jobs die Kraft und die Zeit aufbringen, einen von Pleite bedrohten Krankenhaus-Verbund zu retten?

Harald Schmidt lebt in Schwalbach, er ist 65 Jahre alt, war mal Wirtschaftsprüfer und Steuerberater – jetzt ist er Vorsitzender des Varisano-Aufsichtsrats. Auch diese Tätigkeit wird nicht schlecht honoriert: Rund 50.000 Euro kassiert er pro Jahr.

Von Herrn Schmidt lesen wir diese Worte auf der Varisano-Webseite: Der neue Geschäftsführer – gemeint ist Michael Osypka – werde „aktiv gegen die prognostizierten hohen Defizite der kommenden Jahre arbeiten“. 

Mit keinem Wort verrät Herr Schmidt, dass „sein“ neuer Klinik-Chef nur einen Teilzeitjob macht. Und „kommende Jahre“? Das kann so nicht ganz stimmen: Osypka bekam erst einmal einen Ein-Jahres Vertrag. Ob er danach bleibt? Oder ob dann wieder ein neuer, natürlich wie üblich: erfahrener Krankenhausmanager eingestellt wird, es wäre die Nr. 8 in 8 Jahren: Das ist noch offen.

So kann das mit der Rettung der Kliniken wohl kaum etwas werden. Derzeit werde angeblich an einem Restrukturierungsprogramm gearbeitet, heißt es. Schon wird gestreut, dass es Veränderungen geben werde, unangenehme Veränderungen, darauf müsse man sich einstellen. Aber natürlich erst, wie gesagt, wenn die Landtagswahlen vorbei sind…

Angesichts seiner vielen bezahlten Tätigkeiten und eines neuen Teilzeit-Jobs im Main-Taunus-Kreis bei gleichzeitigem Genuss-Engagement in Flörsheim werden die Worte von Michael Osypka verständlich, mit denen er sich zu seinem Amtsantritt zitieren ließ:

Er wolle, kündigte er an, seine neue Aufgabe mit „Kreativität und Humor“ angehen.

Humor in der Geschäftsführung – das ist genau das, was die Varisano-Kliniken in diesen Zeiten brauchen!

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11 Kommentare

  1. DererVonZiethen

    Nun, meine Schwester war auch Chefärztin in leitender Funktion, die letzten Jahre vor der Rente auch im Halbtagsjob, teilte sich den aber 50:50 mit einem ebenfalls sehr erfahrenen Kollegen und die beiden waren sehr erfolgreich, weil sie sich in nur dem EINEN Haltagsjob betätigten. Und das aber mit 100%.
    Was auch durchaus gut gehen kann, denn man weiß ja mittlerweile, daß 2 x 1/2 bei guten Leuten durchaus weit mehr als nur EINS ergeben kann.
    Aber wenn man so einen „Hans-Dampf-in-allen-Gassen“ als „Vortänzer“ einstellt, dann ist mir klar, daß das nix wird.
    Ich sehe das so, daß der „Gute Mann“ wohl seine letzten Jahre bis zur Rente nutzt, um noch mal kräftig „Kohle zu machen“, damit er sich dann kuschelig in den Schaukelstuhl setzen kann…
    Und ja, das ist wesentlich (!) mehr, als nur „schade“! Zusammen mit dem „Hofheimer Klüngel“ ist m.E. das Scheitern dieses „Projektes der Hofheimer Klinik“ bereits abzusehen…

    11. September 2023
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  2. Stefan V.

    Sprachlos. Unfassbar, was hier abläuft.

    11. September 2023
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  3. MD

    Als Dank für enormen Einsatz der Mitarbeiter/innen wird man mit Vorspiegelung falscher Tatsachen von der Geschäftsführung zum Narren gehalten. Man investiert in Namensänderungen und Geschäftsführer statt in qualifiziertes Personal am Patienten. Dazu kommt, dass gute Bezahlung nur auf Geschäftsführer-Ebene realisiert wird. Da wundert man sich über diese prekäre Situation? Wann erwacht die Politik, die das Kliniksterben mitverursacht. Eine Schande.

    11. September 2023
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    • E.Weimer

      Kathastrophal wie hier, offenbar über Jahre,
      mit lebenswichtiger Infrastruktur umgegangen wird!
      Oben bereichern sich Personen ohne Erfolg nachzuweisen. Unten leiden Patienten und Mitarbeiter*innen.
      Das scheint ein Geschäftsmodell (nicht nur) im Gesundheitswesen zu sein. Und die Verantwortlichen in der Politik, lassen das einfach laufen.

      25. September 2023
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  4. Hoffnung stirbt zuletzt

    Leider packen die Großen ihre Taschen voll und das kleine arbeitende Personal bekommt noch die Kündigung, wenn unangenehme Fragen gestellt werden. Das Problem sitzt definitiv in der Chefetage, denn da wird mit Gehältern herumgeworfen, als gäbe es kein Morgen mehr. Man kann nicht alles auslagern und sich wundern, wenn man dann kein Personal mehr hat. Das medizinische Personal und die Hauswirtschaft sind top, Manager eher megaflop. Sie fahren dicke Autos und lassen sich alles über die Kliniken finanzieren.

    Wo nehmen die sich das Recht für einen Bonus her? Erst wenn schwarze Zahlen geschrieben werden, darf auch Bonus fließen.

    Warum legen die Manager nicht ihren Gehaltszettel mal offen? Weil dann öffentlich wird, wo das eingesparte Geld hingegangen ist.

    11. September 2023
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  5. Michael B.

    Unfähige Geschäftsführer mit einem super Gehalt, ein geschniegelter und von nichts wissender Landrat und gerne öffentlich im Rettungsdienst/Gesundheitswesen präsentiert, deutsche Gesundheitspolitik, beratungsresistente und beratungsarme Fachberater…! Warum sollte man sich jetzt noch wundern? Vielleicht benötigt einer dieser Personen ja mal dringend den Rettungsdienst oder eine Notfallambulanz… Das wird eine traurige Geschichte. Viel Glück für die Experten.
    (ein ehemaliger Rettungsdienstler, dem dass System vor Jahren zu blöd wurde.

    12. September 2023
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  6. M.MJ.

    Unglaublich! Was hier passiert, und das auf die Kosten und Existenzen der Mitarbeiter!
    Ohne Skrupel wird hier das Personal verarscht und verheizt. Die wenigen, die noch da sind, müssen das dreifache arbeiten, weil ja ein Einstellungsstopp verhängt wurde!
    Der Fisch stinkt immer zuerst am Kopf und hier stinkt er gewaltig! Ein Geschäftsführer, der nur halbtags arbeitet, nur an drei Tagen die Woche, und noch in vier anderen Unternehmen mitspielt (Money Company, dort kann man das einsehen.)??? Sehr fragwürdig!!!

    Das riecht nach Vetternwirtschaft von der jetzigen Geschäftsführung! Anscheinend ist das so gewollt. Herr Frey und Herr Osypka haben im Krankenhaus Flörsheim bewiesen, was sie können, nämlich Krankenhäuser in den Boden stampfen! Ohne Rücksicht auf Verluste!!! Und Herr Cyriax wartet bis nach der Wahl am 8. Oktober… Danach verkündet er das AUS! für die Kliniken, das stinkt doch zum Himmel!!! Die Ampel ruiniert Deutschland und hier werden Krankenhäuser ruiniert!!!
    Patienten können nicht mehr adäquat versorgt werden aufgrund des Personalmangels, das Zwischenmenschliche bleibt schon lange auf der Strecke, weil einfach keine Zeit mehr ist für den Patienten.

    Das Personal kann sich noch so abmühen, es ist einfach nicht zu schaffen, mit so wenig Personal! Die oberen machen sich die Taschen voll, das Personal ackert bis zum Umfallen!

    Die Geschäftsführung sollte sich zu Tode schämen und das gilt auch für Herrn Cyriax!!!

    12. September 2023
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  7. XY

    Wenn es nicht so traurig wäte, könnte man lachen. Mir ist nicht nach Lachen zumute! Traurig, wieviel Kohle die oberen Herren der Geschäftsführung absahnen. Wenn ich so arbeiten würde wie sie, wäre ich schon längst rausgeflogen! 300.000 und mehr Jahresgehalt für so eine Leistung ist ne Frechheit. Das Pflegepersonal, das Reinigungspersonal etc. wird mit einem Hungergehalt abgespeist! Unglaublich! Egal wie sie hießen, Kaltenbach, Menger, Schad usw. – alle unfähig aber steinreich geworden durch Missmanagement! Wofür gehe ich noch jeden Tag in die Klinik??? Na, wenn’s so weitergeht, darf ich mir bald einen neuen Arbeitsplatz suchen. Danke für nichts!
    Ein frustrierter Klinikmitarbeiter

    14. September 2023
    |Antworten
  8. WS

    Aufgebläht und abkassiert… Alle, die nach Hahn-Klimroth kamen, waren so weit vom Geschehen entfernt, dass sie nicht wussten, wozu sie überhaupt da waren… Wenn einer sich die Pleite von diesem Standorten auf die Kappe schreiben kann, dann ist es Michael Cyriax.

    14. September 2023
    |Antworten
  9. Adel A.

    Absolut unterhaltsamer Artikel. Ich komme aus der Klinik, in der die Doppelspitze jahrelang ihr Unwesen getrieben hat. Ich würde es mal aktives Nichtstun mit exzellenter Honorierung nennen. Leider ist dieser Klinikverbund nur ein Beispiel für viele. Es ist ein Trauerspiel, wie die deutsche Kliniklandschaft ein Spielball für den Haufen BWLer geworden ist, die sich alle 1 bis 2 Jahre die Klinke in die Hand drücken, Prämien kassieren und wie Heuschrecken wieder weiterziehen… ohne Rücksicht auf die Leute, die an den Patienten arbeiten und sich krummbuckeln.

    26. September 2023
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  10. Dumme

    Ich arbeite seit 32 Jahren bei den Kliniken Frankfurt Höchst, seit den Tagen, als der Arbeitgeber noch die Stadt Frankfurt war. Jahrelang hat die Stadt ihre Mitarbeiter (Krankenschwestern, Ärzte und das gesamte Hilfspersonal) miserabel bezahlt.
    Die Chefs wurden immer großzügig bezahlt.
    Jedes Jahr musste die Stadt Frankfurt die Löcher mit unserem Geld (Steuerzahler) in Höhe von 60 Millionen pro Jahr stopfen!
    Die Politiker in Frankfurt sind schuld an dieser Situation, denn sie haben nicht in Personal mit attraktiven Gehältern investiert, damit sich die Studenten für einen Job im Gesundheitswesen interessieren.
    Ich stehe kurz vor der Pensionierung und habe langsam Angst vor dem Alter, denn was ich heute im Klinikum Höchst sehe, ist erbärmlich (arme Patienten). Nur die Privatstationen haben Qualität, der Rest der Patienten wird schlecht behandelt.
    Wir Krankenschwestern sind die Dienerinnen der Mütter der Chefs. Früher hatten wir auf jeder Station ein Team von 15 bis 20 ausgebildeten Krankenschwestern, heute haben wir 5 Krankenschwestern und 15 Assistenten/Studenten!
    Ich sehe dunkle Jahre für die Krankenhäuser und das Gesundheitswesen im Allgemeinen voraus.
    Es liegt alles in den Händen der Wähler bei den nächsten Wahlen.
    Patty

    28. November 2023
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