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Sechsstöckig mitten in Hofheim: So sieht die neue RMV-Zentrale aus

Posted in Allgemein

Hier sehen Sie das allererste Foto der neuen RMV-Zentrale. Das neue Bürogebäude wird mitten in Hofheims Innenstadt errichtet. Bauherr ist die Taunus Sparkasse: Sie hat die 4000 Quadratmeter Bürofläche bereits langfristig an das Verkehrsunternehmen vermietet. In der Kreisstadt kann man wohl nur noch klotzig bauen, es soll sich für Investoren schließlich lohnen: Zur Freude des Bauherrn hat die Stadt über eine Änderung des Bebauungsplanes eine Extra-Etage obendrauf genehmigt.

Ein mächtiges Bürogebäude: Sechs Stockwerke hoch, mit ganz viel Glas in der Fassade, was eine transparente Wirkung verspricht und dem gewaltigen Klotz zumindest auf dem Computerbild eine etwas leichtere Anmutung gibt. Die vordere Gebäudeecke zeigt sich abgerundet und öffnet die Türen zu einem großzügigen Eingangsbereich:

So soll sie aussehen: die neue RMV-Zentrale mitten in Hofheim. Standort: das bereits geräumte Grundstück Ecke Alte Bleiche/Seilerbahn.

Der Blick nach vorn verlangt eine kurze Rückschau: Hier stand mal das Motel Mariann, erbaut 1959. Es war eine Besonderheit, deutschlandweit: Für motorisierte Übernachtungsgäste, die nach Hofheim kamen, stand reichlich Platz zur Verfügung, und das in unmittelbarer Nähe zum Stadtzentrum. Deshalb nicht Hotel, sondern Motel: Es gab eine Tankstelle, später auch noch einen Laden für Autokennzeichen.

Hotel Mariann
Das Motel Mariann mit Tankstelle auf einer alten Postkarte.

Heute ist das nur noch Erinnerung, und vermutlich auch eine verklärte. Das Motel klein parzelliert, wie es für Hofheim so typisch war – dunnemals. Ein halbrund verglastes Servicehäuschen bot offenherzig Einblick nach innen wie außen. Nur eine Kleinigkeit, aber sie zeigt, wie liebevoll bis ins Detail geplant wurde: Die Türgriffe des Hauses zeigten den Schriftzug des Motels.

Motel Mariann. Wenn’s so etwas heute noch geben würde – ein Traum!

Zuletzt war das Ensemble allerdings arg heruntergekommen. Ein bisschen Computerschmiede. Eine kleine Autowerkstatt. Ein Imbiss. Kein Denkmal, sagten Experten, das schützenswert wäre. Nur noch ein Ziel für Lost-Places-Fotografen. Null Hoffnung auf Zukunft.

Klicken Sie aufs Bild: So sah das Grundstück zuletzt aus, wo die RMV-Zentrale entstehen soll

Also weg damit: In diesem Jahr rückten die Abrissbagger an, im nächsten sollen die Bauleute aufmarschieren. Die Taunus Sparkasse hat das Grundstück erworben, wird ein neues Bürogebäude errichten. Ein langfristiger Mietvertrag wurde bereits unterzeichnet: mit dem Rhein-Main-Verkehrsverbund, der seine Hauptverwaltung seit mehr als 25 Jahren in Hofheim hat.

Der Architekt: „Geschwungener Stadtbaustein“

Die neue Hauptverwaltung soll Platz für die 150 RMV-Mitarbeiter bieten. Das Büro Holger Meyer Architektur in Frankfurt wurde mit der Planung beauftragt und präsentierte jetzt die neue Fassade. Im wohlfeilen Architekten-Jargon liest sich die Beschreibung so:

Der sechsgeschossige L-Förmige Neubau mit fünf Vollgeschossen und einem zurückgestaffelten Dachgeschoss entsteht auf einer Konversionsfläche in direkter Nachbarschaft zur schon bestehenden Verwaltung des Rhein-Main-Verkehrsverbundes aus den 1990er Jahren. Das neue Haus sticht so deutlich aus dem heterogenen Stadtbild heraus und präsentiert sich als moderner geschwungener Stadtbaustein mit abgerundeter Gebäudeecke an der Einmündung der Seilerbahn. (…) Raumhohe aber unterschiedlich breite Fenster erzeugen zusammen mit ebenfalls unterschiedlich diagonal auslaufenden Laibungen ein variantenreiches Fassadenbild im Straßenraum. (…)

Der Eingangsbereich an der Straßenecke soll laut Architekt mit großflächigen Leuchtwänden „inszeniert“ werden. Neben dem Empfang mit Infotresen soll es einen RMV-Shop und eine Poststelle geben, im Hintergrund wird ein Konferenzbereich eingerichtet.

Ebenfalls im hinteren Bereich liegt die Zufahrt zu einer Tiefgarage, hier sind außerdem 48 überdachte Fahrrad-Stellplätze vorgesehen.

Neue RMV-Zentrale: Vorsichtiges Lob in Architektur-Foren

In Architektur-Foren im Internet wird der Entwurf weitgehend akzeptiert, allerdings mit der gebotenen Vorsicht:

„Ein zeitgemäßer Entwurf, der mit Details die großflächige Fassade gut strukturiert. Mal schauen, ob’s in der Realität auch so filigran wirkt.“

RMV Zentrale 2021rmv1 800

Bewegen Sie den Schieber: So soll die Ecke Alte Bleiche/Seilerbahn in zwei Jahren aussehen.

Ja, mal schauen! Dass die Realität mit den am Computer aufgehübschten Bildern nicht unbedingt zu vergleichen ist, haben die Hofheimer leidvoll erfahren müssen – zuletzt am Kellereiplatz. Auch da involviert: die Taunus-Sparkasse, als Mieter allerdings. Die städtische Wohnungsbaugesellschaft HWB hatte den Bank-Klotz gebaut und vorab eine richtig schön begrünte Elisabethenstraße versprochen. Architektenbilder, die der kritischen Öffentlichkeit damals präsentiert wurden, versprachen große Bäum gegen die Tristess einer öden Fassade. Aber dann ging die HWB rüber ins Rathaus und überredete den Magistrat, eine Ausnahmegenehmigung zu erteilen: Damit durfte die Fassade so nah an die Elisabethenstraße gerückt werden, dass dort nur noch „Bäume in Blumentöpfen“ hinpassen. „Bäume versprochen – graue Kästen bekommen“: Das ist ziemlich hässlich und wahrlich kein Ruhmesblatt für HWB und Taunus Sparkasse.

Vorteil Stadt: RMV-Zentrale bleibt langfristig

Mit der RMV-Zentrale entsteht demnächst, nur unweit entfernt und ebenfalls an der Peripherie der Altstadt, der nächste Klotz. Die planerischen Voraussetzungen besorgten die Stadtverordneten, indem sie den Bebauungsplan Nr. 75 „Alte Bleiche“ änderten: Entlang der Alten Bleiche sind seither in Richtung Innenstadt fünf Vollgeschosse plus ein mögliches Staffelgeschoss (bisher: max. vier Vollgeschosse) erlaubt.

Einen Pluspunkt muss man natürlich auch sehen: Der RMV wird seine Zentrale nun langfristig in Hofheim belassen. Das Unternehmen wurde 1995 auf Initiative von 15 Landkreisen und elf Städten im Rhein-Main-Gebiet gegründet. Es sollte den öffentlichen Personennahverkehr in der Region besser miteinander vernetzen. Anfangs hatte der RMV seinen Sitz im Landratsamt, später zog es in das jetzige Gebäude an der Alten Bleiche um.

RMV-Zentrale
Wirkt etwas mickrig im Vergleich zur neuen Zentrale: Der Eingang zur heutigen RMV-Hauptverwaltung.

Der Standort ist ideal: Schräg gegenüber ist der Bahnhof für Busse, S-Bahnen und Regionalzüge. Diese zentrale Lage hatte das Unternehmen stets als wichtigen Standortfaktor betont: So könnten die RMV-Mitarbeiter, ob sie nun in Frankfurt, Wiesbaden, Bad Soden, Königstein oder Niedernhausen leben, auf direktem Weg ihre Arbeitsplätze in weniger als 30 Minuten erreichen.

Insofern ändert sich für die RMV-Mitarbeiter wenig. Ihre heutigen Arbeitsplätze an der Alten Bleiche Nr. 5 sollen sie in gut zwei Jahren verlassen – nebenan geht’s dann weiter Als Einzugstermin in den Neubau wird Oktober 2023 genannt. Der Mietvertrag mit der Sparkasse läuft bis Ende 2039.

+ + +

– Foto-Hinweis –

Die Bilder vom bisherigen Grundstück Alte Bleiche/Seilerbahn sowie vom alten Motel Mariann wurden von Dipl. Ing. Fritz Schmidt jr. zur Verfügung gestellt. Der leidenschaftliche Sammler, Oldtimer-Fachmann und beachtete Buchautor aus Rüsselsheim archiviert u.a. die Geschichten alter Tankstellen, was ihn nach Hofheim führte. Er freut sich über Ihren Besuch auf seiner Webseite.

Die Visualisierung der neuen RMV-Zentrale erstellte das Architekturbüro Holger Meyer GmbH in Frankfurt. Die Veröffentlichung auf dieser Webseite erfolgt mit Genehmigung der Taunus Sparkasse.

6 Comments

  1. MX

    Das darf doch nicht war sein. Die Inkompetenz im Rathaus hat nichts kapiert. Was benötigt wird, sind bezahlbare Wohnungen und Bäume zum überleben. Was das für ein hässlicher Klotz wird, wenn das genehmigt wird müssen Köpfe rollen. Überall in Hofheim wird unvernünftig geplant, der Steuerzahler darf ja nicht mitentscheiden. Das soll demokratisch sein, eher Parteiendiktatorisch. Alles dauert ewig, das im Sommer zerstörte Brückengeländer (Auto stürzte in den Bach) wurde auch immer noch nicht erneuert.

    2. Dezember 2021
    |antworten
  2. Knut

    Das Gebäude hat den Habitus eines riesiges Kaufhaus in einer Großstadt…

    2. Dezember 2021
    |antworten
  3. Barbara Grassel

    „Der Standort ist ideal: Schräg gegenüber ist der Bahnhof für Busse, S-Bahnen und Regionalzüge. Diese zentrale Lage hatte das Unternehmen stets als wichtigen Standortfaktor betont: So könnten die RMV-Mitarbeiter, ob sie nun in Frankfurt, Wiesbaden, Bad Soden, Königstein oder Niedernhausen leben, auf direktem Weg ihre Arbeitsplätze in weniger als 30 Minuten erreichen.“

    Herr Ringat, der Geschäftsführer des RVM, der in Offenbach wohnt, fährt stets mit dem Dienstwagen. Aber bei der Unpünktlichkeit und den ständigen Zugausfällen der S2 ist das ja verständlich. 😉

    2. Dezember 2021
    |antworten
  4. DererVonZiethen

    Das Haus baut ja nicht der RMV, wenngleich die sicherlich dem Architekten die Hand führten.
    Was rauskommt? Ein klotziger Protzbau, der mit „Gemütlichkeit“ und „Altstadtflair“ so wenig zu tun hat, wie „Rolex & Gucci“ mit Sparsamkeit. Ich staune immer wieder, wie das Hofheimer Rathaus (bzw.Bauamt) seinen Klüngel „unter Freunden“ so schamlos der Öffentlichkeit präsentiert, ohne daß da mal jemand einschreitet. Auch der Vermieter des Hauses der heutigen Hauptverwaltung des RMV wurde kalt erwischt und sieht sich schon mit reichlich Leerstand konfrontiert, wie ich hörte.
    Nein, dieser seelenlose Glaspalast, bei dem eine Fensterreinigung wohl so viel kostet, wie bei „Otto-Normalverbraucher“ eine komplette Jahresmiete incl. Nebenkosten, paßt m.E. gar nicht in/an die Altstadt, derer Hofheim sich immer gern rühmt…
    Und richtig: das mit einem Auto demoliert Brückengeländer über den Schwarzbach hat das Rathaus bis heute nicht repariert – aber es werden auf Nachfrage bestimmt schnell „Erklärungen“ dafür ge-/erfunden!

    2. Dezember 2021
    |antworten
  5. P. Cisarz

    Mal wieder sehr hübsch dargestellt – als ob die Straße Seilerbahn soo breit wäre….

    8. Dezember 2021
    |antworten
  6. Soistdas

    Da ich lange in der Nähe des Ex-Motel gewohnt habe, durfte ich den Gebäudekomplex immer wieder ansehen, der war ja wirklich ein Schandfleck für Hofheim, das gerade für Besucher, die mit Öffis kamen, das erste war, was sie von Hofheim gesehen haben. Somit empfinde ich das neue Gebäude als optischen Gewinn für unsere Stadt. Zur Zeit wird gegen alle Gebäude gewettert, wenn nicht neue Wohnungen gebaut werden. Hier an der Stelle sollte man aber auch bedenken, dass es eine stark frequentierte Hauptstraße ist, nicht eine ruhige Wohnstraße. Außerdem kann eine Stadt auch nicht nur aus Wohnbebaueng bestehen. Deshalb könnte man es auch als Erfolg sehen, dass die Stadt den RMV in Hofheim hält, dies sind ja auch Arbeitsplätze.

    Die Stadt muss sich aber den Vorwurf gefallen lassen, tolle Bilder zu veröffentlichen und den Bau dann noch “ – siehe Bäume an der Bibliothek. Jeder darf seine Meinung haben, ich finde die Darstellung des Gebäudes gut.

    10. Dezember 2021
    |antworten

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