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Lorsbach in Angst – nur noch 6 Monate bis zur Vollsperrung

Posted in Allgemein

⇨ Report über einen Ortsteil, der sich gegen Ausgrenzung wehrt

⇨ Kann die einjährige Vollsperrung der L3011 verhindert werden?

⇨ Mittwoch Ausschusssitzung – und nur ganz wenig Hoffnung

Es geschah in einem Traum, er vermochte hoffnungsfroh zu stimmen, deshalb dürfen Sie ihn hier ruhig erfahren:

Treffen sich zwei Männer in einem Wiesbadener Edelrestaurant. Man kennt sich, man duzt sich, jeder bestellt ein Gläschen Wein („Grauburgunder, 0,2 bitte“), und nach kurzem Smalltak kommt der Axel zur Sache:

„Tarek, ich hab ein Riesen-Problem! Ich krieg so’n Druck“ – er breitet beide Arme aus, der Abstand zwischen den Händen ist ziemlich groß„du musst mir bitte helfen, unbedingt!“

„Mach ich doch gerne“, sagt der Tarek und trinkt ein Schlückchen von seinem Wein. „Beste Freunde halten zusammen, sag ich immer. Wo brennt’s denn?“

„Lorsbach“, sagt der Axel und verzieht sein Gesicht, als litte er starke Schmerzen. „Ganz fürchterlich! Das Dorf soll ein Jahr lang abgeriegelt werden, du weißt, wegen einer Baustelle von deinem Hessen Mobil. Jetzt laufen die Leute plötzlich Amok. Der Vogt – das ist der Bürgermeister von Hofheim, vielleicht hast du mal von ihm gehört? – ja, ich gebe zu, er hat’s am Anfang voll versemmelt, damals wäre eine Umfahrung der Baustelle sicher kein Problem gewesen… Die Leute steigen ihm aufs Dach, er sei schließlich der Bürgermeister, sagen sie, er solle sich auch mal für sie einsetzen. Und jetzt drängelt er, ich solle endlich was machen, ich sei schließlich Staatsminister…“

„Axel, beruhige dich“, sagt Tarek freundlich. „Komm runter! Was könnte ich denn tun? Du weißt ganz genau, wir haben Vorschriften und Gesetze, Naturschutz und so, da kann ich mich nicht einfach drüber hinwegsetzen.“

„Ach Mann“, stöhnt der Axel, er wirkt etwas genervt, „Gesetze und Vorschriften, das ganze Blabla – ich kann’s nicht mehr hören! Wen interessiert das? Du bist Minister, du kannst hier vielen Leuten einen Gefallen tun. Denk daran: Es geht auch um Wählerstimmen, in einem Jahr sind Landtagswahlen!“

Axel hat sich ein bisschen in Rage geredet. Er macht eine unwirsche Handbewegung, stößt mit dem Ellenbogen gegen das halbgeleerte Weinglas, es fällt klirrend zu Boden…

Der Wecker klingelt…

Lorsbach
Dokumentierte Männerfreundschaften: CDU-Minister Axel Wintermeyer postete 2015 ein Foto, das ihn mit Tarek Al Wazir (Grüne) zeigt. Links im Bild Patrick Burghardt, neben ihm Christian Vogt (mit Sonnenbrille). Burghardt war damals Bürgermeister von Rüsselsheim, hatte sich Vogt als Büroleiter geholt. Als Burghardt 2017 nicht wiedergewählt wurde, kamen beide bei der Landesregierung in Wiesbaden unter.

Foto: Screenshot Axel-Wintermeyer-Facebookseite

Aus der Traum. Leider. Deshalb kann nicht gesagt werden, wie das Treffen ausgegangen ist. Es hat natürlich auch nie stattgefunden, die ganze Handlung ist absolut irreal:

Dass Axel Wintermeyer – er ist sollte als CDU-Staatsminister Hofheims Speerspitze in der Landeshauptstadt Wiesbaden sein, dazu ist er CDU-Abgeordneter im MTK-Kreistag und CDU-Stadtverordneter in Hofheim sowie CDU-Parteivorsitzender im Main-Taunus-Kreis – also dass sich dieser parteipolitische Multifunktionär für die Interessen der von Ausgrenzung bedrohten Lorsbacher bei seinem Kabinettskollegen, dem zuständigen Verkehrsminister und Obergrünen Tarek Al Wazir, eingesetzt haben soll:

Davon hat man bis heute nichts gehört. Wirklich gar nichts!

Wintermeyer ist ausweislich seiner Facebookseite viel im Land unterwegs, verteilt gerne Urkunden und Zuschüsse. Eher Grüßaugust als Gestalter. Dass sich der CDU-Matador in irgendeiner anderen Weise für Lorsbach und die Sorgen der Menschen dort stark gemacht hätte: Haben Sie je davon vernommen?

So ist die wahre Geschichte der angedrohten Lorsbacher Ein-Jahres-Baustelle auch ein Lehrstück darüber, wie Lokalpolitik wirklich funktioniert – oder eben nicht.

Im Rathaus Hofheim hieß es: Ist nicht unsere Baustelle

Nur noch sechs Monate bis zur Vollsperrung!

Es geht um rund 500 Meter der Landstraße L3011 direkt vor der Ortseinfahrt nach Lorsbach in der sogenannten Klärwerkskurve. Zuständig ist die Landesbehörde Hessen Mobil, die bereits vor Jahren mitgeteilt hat: Die Stützmauer zum Mühlgraben, der direkt neben der Fahrbahn verläuft, sei derart verrottet, dass sie „lediglich eine Restnutzungsdauer bis zum Jahr 2022 aufweist“.

Die Stützmauer muss also dringendst erneuert werden. Die Bauarbeiten sollen ein ganzes Jahr dauern. Und für diese Zeit muss die Straße nach Hofheim komplett gesperrt werden. Der Termin rückt immer näher, längst grassiert in Lorsbach die Angst: Die Menschen sehen die letzten Geschäfte, Handwerksbetriebe, Restaurants und den kleinen Kiosk in ihrem Dorf kaputt gehen.

Nach Corona eine neue Art von Lockdown in Lorsbach: Muss das wirklich sein?

Im Rückblick finden wir eine Erklärung für die verfahrene Situation, die sich inzwischen als kaum noch reparabel darstellt. Und wir müssen erkennen: Nicht die Hybris einer Landesbehörde, wie gern kolportiert wird, führt zur Straßensperrung. Sondern lokalpolitisches Totalversagen auf unterster Ebene.

Interessiert uns nicht, hieß es damals im Hofheimer Rathaus, als Hessen Mobil erste Informationen zur geplanten Baustelle übermittelte. Die L3011 sei eine Landstraße und damit Sache der Landesbehörde – Punkt.

„Ist nicht unsere Baustelle“, soll der Erste Beigeordnete Wolfgang Exner (CDU) nach glaubwürdiger Darstellung mehrerer Lokalpolitiker wiederholt gesagt haben. Kritische Anmerkungen soll er in der ihm eigenen Art brüsk zurückgewiesen haben: „Wir mischen uns nicht in die Arbeit anderer Behörden ein.“

Basta-Politik. Nicht zeitgemäß, aber in Hofheims Rathaus durchaus Usus und gelitten.

Frühe Analyse: Magistrat wie narkotisiert

Herbst 2020: Durchs Dorf wabern leise Gerüchte, dass die L3011 während der Bauzeit gesperrt werde, und zwar komplett. Im Ortsbeirat wird nach Einzelheiten gefragt, die Informationslage bleibt dürftig. „Ist nicht unsere Baustelle!“

Anfang 2021: Hessen Mobil teilt mit, dass die Bauarbeiten im Herbst 2022 beginnen sollen. Und dass die schmale Straße wegen der großen Baumaschinen für mindestens ein Jahr voll gesperrt werden müsse. 

Protest erwacht, noch zeitlupenhaft. Die Linken schicken Fragen ans Rathaus, die dörfliche CDU sammelt Unterschriften. Außerhalb von Lorsbach juckt das Thema natürlich keinen Menschen, es ist halt, so sagt man, ein sublokaler Aufreger.

Auch aus dem Rathaus in der Kernstadt ist keine Hilfe zu erwarten. Der Hofheim/Kriftel-Newsletter titelt im Januar 2021: „Magistrat wie narkotisiert – Lorsbach verzweifelt“.

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Das Straßenstück, das den Lorsbachern Angst macht. Links unter den Büschen der Mühlgraben, rechts Klärwerk und Reiterhof, dazwischen die schmale L3011.

August 2021: Hessen Mobil fordert, wie bei solchen Baumaßnahmen vorgeschrieben, zahlreiche Behörden auf, sich mit Hinweisen und Einwänden zu den Bauarbeiten zu melden. Wer antwortet nicht? Genau, Hofheims Stadtverwaltung. Man hat keine Bedenken und keine Einwände „ist nicht unsere Baustelle.“

Dezember 2021: Der zuständige Verkehrsminister Tarek Al Wazir unterzeichnet die Plangenehmigung. Sie umfasst 93 Seiten, auf Seite 88 ist nachzulesen: „Die Gemeinde Eppstein und die Stadt Hofheim am Taunus haben im Beteiligungsverfahren weder Einwendungen erhoben noch Stellungnahmen abgegeben.“ In der Behörden-Kommunikation ist das eindeutig: Im Rathaus Hofheim interessiert man sich nicht dafür, was Hessen Mobil vor Lorsbach plant und baut.

Februar 2022: Hessen Mobil teilt mit, dass die Arbeiten im August 2022 beginnen sollen. Jetzt plötzlich große Aufregung im Rathaus. Bürgermeister Vogt gibt sich empört: Das sei „ein unkooperativer Akt der Unfreundlichkeit“. Er lässt verbreiten, er habe im Namen des Magistrats die Landesregierung um Unterstützung gebeten.

März 2022: Hessen Mobil verschiebt auf Bitten der Stadt den Start der Bauarbeiten ins Frühjahr 2023. Denn der Erste Beigeordnete Exner will mit dem Besitzer des Reiterhofs verhandeln zu wollen. Das hatte zwar Hessen Mobil schon getan, aber Exner will wohl sein bisheriges Desinteresse vergessen machen. Sein Plan klingt nicht sonderlich originell: Der Reiterhof soll seine Pferdekoppeln neben der Straße für eine Umfahrung der Baustelle zur Verfügung stellen, die Stadt würde ihn dafür entschädigen, und zwar richtig großzügig.

April 2022: Exner erklärt die Verhandlungen mit dem Reiterhof für gescheitert.

Hessen Mobil legt sich fest: Baustart ist März 2023.

Der Magistrat reagiert mit einer Pressemitteilung, Überschrift: „Stadtverordnetenversammlung will rechtliche Schritte bis zur Enteignung”. Der Text – Auszug: „Diesem Prüfantrag wird der Magistrat nachkommen.“ – stützt den Verdacht, dass man in Hofheims Stadtverwaltung zeitweilig nicht nur den juristischen Sachverstand abschaltet:

Ob die Enteignung des Reiterhofes wirklich geprüft wurde – oder ob es sich bei der Pressemeldung nur um eine Nebelkerze der Stadtführung handelte, die den Lorsbachern zeigen soll, wie sehr man sich für sie einsetze: Das muss hier offen bleiben. Tatsache ist:

Die Prüfung einer Enteignung war definitiv niemals von Hofheims Stadtverordneten beschlossen worden. Dementsprechend findet sich das Wort „Enteignung“ in den offiziellen Sitzungsprotokollen nicht erwähnt.

Fake News in einer offiziellen Pressemitteilung der Stadt Hofheim: Das ist dreist, das zeugt von Chuzpe! Das erlaubt Rückschlüsse, wie in Hofheim Lokalpolitik gemacht wird.

Kann Hessen Mobil noch umgestimmt werden?

Jetzt haben wir Oktober 2022. Die Stützmauer bröselt vor sich hin. Fachleute halten es nicht für ausgeschlossen, dass sie eines baldigen Tages einstürzt und dann die ganze Fahrbahn wegbricht. Wie gesagt: als Restnutzungsdauer wurde 2022 ermittelt.

Nur noch sechs Monate bis zur geplanten Vollsperrung.

Im Internet läuft noch immer eine Unterschriftensammlung gegen die Vollsperrung. Stand heute, 8. Oktober, 12 Uhr, fanden sich bisher 1.383 Unterzeichner. Als Sammelziel wird genannt: 10.000 Unterschriften.

Beidseits des Heinrichswegs wurden letztens jede Menge Bäume gefällt: Wenn die Straße demnächst voll abgeriegelt wird, sollen Rettungsfahrzeuge mit Blaulicht und Martinshorn durch den Stadtwald düsen. Wolfgang Exner versichert per Pressemitteilung, man müsse handeln, „wenn auch schweren Herzens“. Dass Bäume reihenweise gefällt würden, so lässt er sich zitieren, sei „keine Vorentscheidung für eine einjährige Vollsperrung“. Das wollen wir ja gerne glauben; andererseits: Was von Exners Pressemitteilungen zu halten ist – siehe oben, April 2022.

Christian Vogt, der CDU-Bürgermeister, erzählt in einem seiner wöchentlichen „Freitagsblick“-Internetvideos, dass er im Kreistag für die Lorsbacher gekämpft habe. Wörtlich: „Ihr versteht, als Hofheimer Bürgermeister Bürgermeister habe ich hier ganz klar Position bezogen, gegen die einjährige Vollsperrung.“

Wir verstehen, natürlich!

Dass bei Vogt bzw. in dem von ihm geführten Rathaus eine der zentralen Ursachen für den ganzen Schlamassel zu verorten ist („Ist nicht unsere Baustelle!“), scheint der Mann komplett verdrängt zu haben. Da haben wir’s wieder, das vogtsche Pippi-Langstrumpf-Prinzip: „Ich mach mir die Welt widewide wie es mir gefällt.“

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Der Bach des Anstoßes: Der Mühlgraben neben der L3011. Würde er verrohrt, könnte – vielleicht – die Vollsperrung kürzer ausfallen.

Wir müssen erkennen: Jetzt plötzlich werden viele laute und zugleich leere Reden geschwungen. Die Lorsbacher wollen dennoch nicht aufgeben. Am kommenden Mittwoch, 12. Oktober, tagt der Bau- und Planungsausschuss des Kreises (Beginn: 17 Uhr). Zwar sind weder Kreistag noch Kreisbehörde unmittelbar zuständig, aber man kann’s ja mal versuchen…

Es ist eine Art Sondersitzung, das einzige Thema ist die geplante Vollsperrung. Ursprünglich war der kleine „Raum Hofheim“ für ausreichend befunden worden, jetzt will man im großen Sitzungssaal des Landratsamtes tagen: Die Lorsbacher trommeln seit Tagen im Internet, es wird mit etlichen Besuchern gerechnet.

Nicht Axel Wintermeyer, Christian Vogt, Wolfgang Exner oder all die anderen Hofheimer CDU-Politiker, die im Kreistag zur Mehrheitskoalition aus CDU/Grünen/FDP gehören, haben diese Sondersitzung angeregt. Sondern die Oppositionsparteien SPD, Linke und FWG. Unermüdliche Antreiber sind die Fraktionsvorsitzenden Barbara Grassel (Linke) und Andreas Nickel (FWG), die beide in Lorsbach leben. Ihr Einsatz verdient allergrößten Respekt, denn wenn ihr Plan auch nachvollziehbar, vernünftig und umsetzbar erscheint – er dürfte gleichwohl chancenlos sein:

Sie möchten, dass der Mühlgraben neben der Straße, derzeit ein kleiner Schmuddelbach ohne erkennbaren ökologischen Wert, verrohrt wird. Dann könnten die Bauarbeiten schneller vonstatten gehen. Außerdem könnte die Baustelle zumindest zeitweilig einspurig umfahren werden.

Eine Verrohrung war allerdings ausdrücklich abgelehnt worden, und zwar in der Kreisbehörde (Landrat: Michael Cyriax, CDU): Dort ist das Amt für Bauen und Umwelt, Wasser- und Bodenschutz zuständig, es wird geführt von der grünen Beigeordneten Madlen Overdick.

Mit ihrem Antrag im Kreisausschuss wollen SPD, Linke und FWG einen Beschluss des Kreistags herbeiführen: Die Entscheidung der Overdick-Abteilung soll überprüft werden – natürlich mit dem Ziel, dass eine Verrohrung des Mühlgrabens doch noch machbar ist.

Würden CDU und Grüne mitmachen, könnte die bisherige Planung für den Papierkorb sein – vielleicht. Aber auf jeden Fall wäre die CDU-geführte Kreisverwaltung und vor allem deren grüne Beigeordnete schwerstens düpiert.

Kann so ein Antrag der Opposition Chancen haben?

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Ein Foto aus dem Frühjahr: Die Bäume waren noch nicht begrünt, die Hitze des Sommers hatte den Graben noch nicht geleert. Deutlich zu sehen: Die Stützzmauer zur Straße hin, die einzustürzen droht.

Die ganze Planung von Hessen Mobil stützt sich, natürlich, auch auf das Gutachten der Kreisbehörde. Eine dauerhafte Verrohrung, schreibt die Behörde auf ihrer Internetseite, sei bereits 2016 von den Fachbehörden geprüft worden. „Die Rechtslage ist hier eindeutig. Die Verrohrung des Mühlgrabens ist nach Hessischem Wassergesetz nicht genehmigungsfähig.“

Das klingt unmissverständlich: Die geltende Rechtslage lässt eine Verrohrung des Mühlgrabens nicht zu. Was soll man da machen?

Im „Aktionsbündnis L3011″, in dem sich alle Lorsbacher Parteien zusammenfanden, um die Vollsperrung zu verhindern, hat man wohl die Aussichtslosigkeit des Antrags im Kreisbauausschuss erkannt. Deshalb wurde ein Fragenkatalog nachgereicht, der am Mittwoch ebenfalls vorgelegt werden soll, hoffend, dass Hessen Mobil antwortet:

Könnte man die Bauzeit nicht mit mehr Personal und zusätzlichen Schichtdiensten verkürzen? Könnte nicht eine andere, kleinere, schnellere Technik eingesetzt werden? Lässt sich nicht doch noch irgendwie eine einspurige Umfahrung der Baustelle übers Reiterhof-Gelände ermöglichen, auch wenn man dazu ein ganz neues Planungsverfahren beginnen müsste?

Wenn wir alles Fachliche und Wünschenswerte beiseite lassen, bleibt als Konzentrat diese Frage:

Kann eine Behörde wie Hessen Mobil ihre ganze bisherige Planung, an der viele Fachleute monatelang gearbeitet haben und die sicher auch ganz viel Geld gekostet hat, nicht einfach mal kippen und ganz neu aufsetzen?

Die Begründung klingt schließlich nachvollziehbar: weil ansonsten knapp 3.000 Menschen in einem kleinen Dörfchen sich ausgegrenzt fühlen und richtig leiden würden, ein Jahr lang, mindestens.

Das ist die Frage: Ist eine Landesbehörde dazu in der Lage?

Nur noch sechs Monate bis zur geplanten Vollsperrung.

Für Optimismus besteht wenig Anlass.

14 Comments

  1. Einer

    na ja,

    diese Baustelle ist für Hessen Mobil wahrscheinlich auch wie ein Pickel am Hintern.

    Eingeschnürt von den Kreisbehörden und EU-Vorgaben und konfrontiert mit zu Recht Wut schreienden Bürgern,

    Unter Druck eines Naturschutzgutachtens, welches den Fall der dauerhaften Verrohrung und der daraus entstehenden notwendigen Ausgleichsmassnahmen nicht untersucht hat, sondern nur die Auswirkungen des Mauerbaues beleuchtet.

    Wenn man nun nicht sagt, muss jetzt, egal wie, irgendwie durch, ist genehmigt, wird gebaut, viel hilft viel, ferig…

    hilft eigentlich nur, wie schon in der Baugenehmigung festgelegt und in der der detailierten Baubeschreibung im Detail geplant und wahrscheinlich auch so schon ausgeschrieben,

    den Mühlbach provisorisch verrohren, zu verfüllen und zu verdichten, damit die Mauer nicht mehr weg kann,

    die weiteren Baumassnahmen auf Eis zu legen.

    Einen Schritt zurücktreten und die Sache mit offenen Augen beleuchten.

    Zum Beispiel,

    mit den Mühlbacheigentümern eine Einigung finden, die Flächen des Baches vereinnahmen, die Verrohrung dauerhaft realisieren und überbauen und in der Kurve eine ordentliche, zukunftsweisende Lösung zu realisieren.

    Aber ob dazu die wahrscheinlich sehr gestressten Beteiligten in der Lage sind, ist die grosse Frage….

    Ich glaube es eigentlich nicht.

    9. Oktober 2022
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  2. Heidrun Wormsbächer

    Vielen Dank für den tollen Artikel, der die ganze Misere darstellt. Wir Lorsbacher können nur den Kopf schütteln und weinen, bei so viel Unverstand seitens der Politiker und Behörden und werden bis zum letzten Tag weiterkämpfen. Vamos!

    9. Oktober 2022
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  3. Einsicht

    Zunächst einmal, die Ausführung zeigt die Versäumnisse der Vergangenheit auf. Aber was hilft das jetzt? Aus meiner Sicht wird die Sperrung kommen! Dass die Stadt den Waldweg für die Rettungsfahrzeuge herrichtet, ist allein schon ein Eingeständnis: Die Vollsperrung kommt! Finden wir uns damit ab und richten den Blick nach vorn.
    Nutzen wir die 6 Monate bis zur Sperrung als Planungszeit um das Leben in der künftigen Sackgasse lebendig und vielfältig zu gestalten. Machen wir daraus eine Eventmeile, die Lorsbach anziehend macht: Planen wir Straßenfeste, Verschenken wir Gutscheine an Lorsbacher Geschäfte, Straßen -Konzerte, Sportliche Events usw. usw. Weitere Ideen sind gefragt. Das hilft den Geschäftsleuten, das macht Spaß und schweißt uns in Lorsbach zusammen!!! Los geht’s!!!

    9. Oktober 2022
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    • Gitte K.

      Das ist endlich ein Plan! Der beste Gedanke seit Beginn des unsäglichen Baustellen-Streits. Richtig gute Idee, und vor allem aufbauend und Mut machend. Auch ich glaube, dass die ganzen Bemühungen vergebens sind. Die Stadt hat’s einfach verpasst, rechtzeitig einzuschreiten, und jetzt ist die Planung viel zu weit fortgeschritten. Also machen wir das Beste draus: Lassen wir die verkorkste Lokalpolitik mit ihren unfähigen Selbstdarstellern außen vor, lassen wir uns schon gar nicht unterkriegen vom behördlichen Irr- und Unsinn. Pro Lorsbach! Das Aktionsbündnis L3011 könnte seinem Namen alle Ehre machen und in ganz neue Dimensionen vordringen. Eventmeile in der Sackgasse, Action auf der L3011! Ich sehe schon die Pilgerströme, die jedes Wochenende aus Hofheim über den Heinrichsweg nach Lorsbach ziehen. Gibt’s noch mehr Ideen? her damit! Es lebe Lorsbach!

      9. Oktober 2022
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  4. Bernd Hausmann

    Nicht nur der Hofheimer Magistrat hat in Sachen Vollsperrung der L3011 fehlerhaft gehandelt, sondern auch der Kreisausschuss des Main-Taunus-Kreises:

    Eine einjährige Vollsperrung der L 3011 kann vermieden werden, wenn der schon derzeit verrohrte Mühlgraben zwischen dem Durchtritten unter der L3011 und dem Bahndamm dauerhaft verrohrt würde und nicht nur provisorisch während der Dauer der Baumaßnahmen. Eine solche Verrohrung ist bei halbseitiger Sperrung der L3011 und in wesentlich kürzerer Bauzeit möglich (und ist wesentlich billiger!).

    Als Argumente gegen eine Verrohrug des Mühlgrabens wurden vom Amt für Bauen und Umwelt, Wasser- und Bodenschutz des Main-Taunus-Kreis sowohl gegenüber Hessen Mobil als auch der Bürgerschaft ausgeführt:

    „Eine dauerhafte Verrohrung bedeutet einen Verlust an biologischer Vielfalt und Leistungsfähigkeit des Naturhaushalts und widerspräche zudem dem wasserrechtlichen Verschlechterungsverbot. Diese Thematik wurde mit Hessen Mobil bereits zu Beginn der Planungen besprochen.“ (Mail v. 15.10.21, s. AZ: 63-0542 AK 06820.21 2100 6636).

    Diese Ansicht der Fachbehörde ist unvollständig und falsch;

    1.
    Nach dem auch dem Amt für Bauen und Umwelt, Wasser- und Bodenschutz des Main-Taunus-Kreises vorliegenden, von Hessen Mobil beauftragten faunstischen und floristischen Gutachten über den Mühlgraben der Krebsmühle entlang der L 3011 befinden sich in diesem Betriebswasserkanal keine besonders schützenswerten Tier- und Pflanzenarten:

    „Die Gewässerbeprobung des Mühlgrabens zeigte ein Vorkommen von insgesamt 4 Fischarten im Gewässer. Diese waren Westlicher Stichling, Schmerle, Gründling und Forelle. Die nachgewiesenen Arten sind nicht in der hessischen oder der bundesweiten Roten Liste als gefährdet eingestuft, daneben sind sie nicht streng geschützt oder in den Anhängen II, VI oder V der Fauna-Flora-Habitatrichtline gelistet. Sie sind hinsichtlich einer speziellen artenschutzrechlichen Prüfung nicht von Relevanz.“

    So die auch dem Amt vorliegende nachrichtliche Unterlage Nr. 19.1.2.2 zur Plangenehmigung AZ VI 1-061-k-08#2.516 des Hessischen Ministeriums für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen, ersteolot von der Planungsgruppe Natur und Umwelt, Frankfurt a.M., 24.11.17, Seite 16.

    2.
    Das wasserrechtliche Verschlechterungsverbot bezieht sich auf das gesamte Fließgewässer des Schwarzbachs und nicht auf kurze Abschnitte eines ausgeleiteten Gewerbekanals. Das BVerwG stellt dazu klar (s. Urteil vom 09. Februar 2017 BVerwG 7 A 2.15 Ausbau der Bundeswasserstraße Elbe („Elbvertiefung“):

    „RdNr, 506: „Räumliche Bezugsgröße für die Prüfung der Verschlechterung bzw. einer nachteiligen Veränderung ist ebenso wie für die Zustands-/Potenzialbewertung grundsätzlich der OWK (= Oberflächenwasserkörper, d.U.) in seiner Gesamtheit; Ort der Beurteilung sind die für den Wasserkörper repräsentativen Messstellen. Lokal begrenzte Veränderungen sind daher nicht relevant, solange sie sich nicht auf den gesamten Wasserkörper oder andere Wasserkörper auswirken.“

    Der Oberflächenwasserkörper des Schwarzbachs geht somit von Oberrod bis Okriftel. Auf dieser Betrachtungsebene müsste somit durch eine weitergeführte Verrohrung eine messbare Verschlechterung der Wasserbeschaffenheit erfolgen. Dies ist mit Sicherheit nicht der Fall. Im Gegenteil: Mit einer Verrohrung wird der Eintrag von Schadstoffen aus der direkt angrenzenden L3011 vermieden, die derzeit in den Mühlgraben entwässert wird.

    Auf diese Stellungnahme des Kreisausschusses beruft sich Hessen Mobil. Und diese Stellungnahme des Kreisausschusses ist falsch. In den beiden wesentlichsten Punkten.

    9. Oktober 2022
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  5. Sandra Georg

    Ja klar, lasst uns alle feiern! Scheiss doch drauf, ob die Handwerker mit Sattelschlepper beliefert werden können, der Finger keine Grabsteine mehr geliefert bekommt. Die Apotheke und Tankstelle pleite gehen, weil der Durchgangsverkehr fehlt. Sind wir halt ein Dorf ohne Geschäfte, wer braucht auch schon Handwerker? Aber lasst uns Party feiern. Gott, denkt überhaupt jemand weiter? Kein Thema, dass die Stützmauer gemacht werden muss. ABER der Reiterhof ermöglicht die einspurige Umfahrung !!!

    9. Oktober 2022
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    • Peter Braun

      Wie groß müsste denn ein Trostpflaster für die Handwerker, Dienstleister… sein? In Euro. Geld ‚locker machen‘ ist in Deutschland (leider) einfacher, als Behörden, Ämter, Verwaltungen mit (zwingenden) Argumenten von Irgendetwas zu überzeugen.

      10. Oktober 2022
      |Reply
  6. Einer

    Der Fensterbauer im Lorsbachtal wird momentan mit grossen LKWs von der Autobahnabfahrt Niedernhausen aus angefahren, die laden im Tal ab und fahren dann weiter zum Anschluss Kriftel…

    Man könnte ja ein LKW dreh event machen mit Musik und Bier und irgendwann wird der LKW rumgehoben…

    Es muss eine Lösung bei, die zumindest erst mal mit der verfügbaren Baugenehmigung realisierbar ist. Für eine neue Baugenehmigung ist momentan die Zeit zu knapp…

    9. Oktober 2022
    |Reply
  7. Christiane Hantelmann

    Kann nicht wenigstens für Fahrradfahrer eine schmale Spur als Schnellradweg nach Hofheim hergestellt werden?

    10. Oktober 2022
    |Reply
    • Peter Braun

      Zur Bescheidenheit haben die Lorsbacher*innen während der einjährigen (KFZ-)Abschottung keinen Grund!

      Warum nicht:
      – Schnellradweg wie vorgeschlagen – geht das nicht (irgendeinen Grund wird’s schon geben), alternatib bzw. zusätzlich:
      – Grob-Ausbau des rechtsseitigen Waldwegs (sollte sich schnell und kostengünstig umsetzen lassen: HessencMobil ist dafür nicht ‚zuständig‘)
      – kostenlose Vermietung von E-Lastenrädern in ausreichender Zahl (5?)
      – kostenloser, hoch-frequenter (Mini-)Bus-Pendelverkehr von LoBa nach Hofheim, Kriftel, Hattersheim …
      – kostenlose S-Bahn-Tickets (wenn’s sein muss auch Zonen-beschränkt)
      – Erstattung (wenigstens deutliche Subventionierung) der Zusatz-Wege- und Zeit-Kosten für betroffene Lorsbacher Firmen (als Nachweis sollten Rechnungen, Lieferscheine, Fahrtenschreiber o.ä. genügen, ich fürchte schon das Bürokratie-Monster, dass daraus gemacht wird, trotzdem!)
      – Zuschüsse für Kiosk, Apotheke und ggf. andere für entgehende Umsätze (z.B. X Prozent des Vorjahresumsatz in Corona ging das ja auch).

      Ich finde die geplante Vollsperrung unsinnig, schädlich, wenig intelligent und und und.
      Aber: wer weiß, wie unsere Behörden, Ämter, Verwaltungen auch untereinander ‚mahlen‘ (zum Großteil nicht aus eigenem Verschulden!), sollte sich nicht allzu viele Hoffnungen auf ‚Einsicht‘ machen. Ein Plan B mit schnell umsetz- und finanzierbaren Forderungen kann da nicht schaden, denke ich.

      Ein bißchen wundert mich die ‚Zurückhaltung‘ der Hofheimer (Kernstadt, Marxheim, Nord-Stadt), Krifteler, Hattersheimer… Geschäftswelt: nach ohnehin zwei dürren Corona-Jahren fehlen ebendiesen noch mal etwa drei bis fünf Prozent Umsatz (geschätzt) bzw. Besucher (Musikschule, Sportvereine, u.a.) durch den Wegfall des Lorbacher-Umsatzes/Besucher. Das ist heutzutage nicht wenig!

      Wie wär’s: Globus, Baumarkt, DM und Deichmann, Fressnapf, unsere Autohäuser und Werkstätten, Polar (als Arbeitgeber!), BUCH, Eiscafé uvw., klopften mal sachte bei den Verwaltungen an!?

      Dieser ‚Geschäftswelt‘ sollte auch klar sein, dass ein auf diese Weise verlorener Umsatz nach dem einjährigen ‚Embargo‘ nur teilweise wieder zurückkommen wird: Kinder, die ein Instrument lernen wollen (und mit ÖPNV nicht nach Hofheim kommen können), lernen das dann halt in der Eppsteiner Musikschule… und bleiben auch nach einem Jahr dort.

      Alle o.g. Geschäfte gibt’s auch im Norden von Lorsbach (zugegeben, oft etwas weiter weg). Und wenn man mit ‚denen‘ zufrieden ist (und sich daran gewöhnt hat), warum sollte man sich nach diesem Jahr wieder nach Hofheim orientieren wollen? Ich schätze 50 bis 70 Prozent des verlorenen Umsatzes/Teilnehmer/Besucher sind für immer weg.

      Wie auch immer: so jedenfalls, mit „Vollsperrung Basta“ und dann die Arme vor der Brust verschränken und „nicht zuständig“ absondern, geht es jedenfalls nicht!

      Ich werde heute Abend mal wieder Asterix lesen. Ein kleines Dorf…

      10. Oktober 2022
      |Reply
      • Jens Gardemann

        Lorsbacher*innen ist süß, trägt aber nicht zur Lösung des Problems bei

        13. November 2022
        |Reply
  8. Einer

    wie ging denn nun die Sondersitzung des Verkehrsausschusses aus?

    14. Oktober 2022
    |Reply
  9. DererVonZiethen

    SEHR interessant finde ich, daß das „Dorf“ Lorsbach mit seinen gut 3.000 Einwohnern augenscheinlich gar kein großes Interesse am Baustopp hat, da sich ja bisher nur

    >> Stand 08. Oktober 22, 12:00 Uhr, 1.383 Unterzeichner

    der Petition fanden! Weniger als die Hälfte der Einwohner!

    Als Sammelziel wurde genannt: 10.000 Unterschriften – und viele der derzeitigen Unterschriften kamen, so auch meine, NICHT aus Lorsbach…

    18. Oktober 2022
    |Reply
    • Kressi

      Stand 31. Oktober, mehr als 2300 Unterschriften!
      Und nur weil viele LORSBACHER mittlerweile 65719 Hofheim angeben, heißt das nicht, dass sie nicht unterschrieben haben 😉 .
      Ich bin gespannt, ob im Nachgang die Stadtverwaltung von 65719der Enklave Lorsbach Unterstützung zu teil werden lässt, um die Geschäfte über die Durststrecke zu retten…

      P.S. für die, die noch nicht gezeichnet haben: Einfach mal in der Suchmaschine „openpetition L3011“ eingeben und unterschreiben. Gemeinsam sind wir stark

      31. Oktober 2022
      |Reply

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